Wie können wir uns emanzipieren, uns alle voll und frei entwickeln? Die Wurzeln der Menschenrechtserklärung in den Zielen der Internationalen Arbeiterassoziation!

 

Die volle und freie Entwicklung der Persönlichkeit aller Menschen weltweit. Dieses Ziel formuliert die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in Artikel 29 als Ziel einer internationalen und sozialen Ordnung (Artikel 28). Sie formuliert es als Anspruch, die jeder an die Gemeinschaft hat und als Pflicht für jeden, sich dafür einzusetzen, dass allen weltweit diese volle Entwicklung möglich ist. Die Staaten versprachen den Bürgern der Welt so zusammenarbeiten, dass sie allen Menschen diese Entwicklung möglich machen.

Die volle Entwicklung des Individuums aber war lange nur für wenige Menschen der Oberschichten möglich und ihrer Unterhalter. Im 19. Jahrhundert hatten Millionen ganz andere Sorgen: Sie wollten erst einmal überleben. Vor allem die Arbeiter und Bauern lebten im Elend. Und es änderte sich nicht automatisch mit dem technischen Fortschritt, häufig vergrößerte sich das Elend vielmehr. „Überall traten durch die Industrialisierung große Probleme auf. Der Bevölkerungszuwachs stieg enorm stark an, deshalb fanden viele Menschen keine Arbeit. Diese zogen in die Städte und quartierten sich in Elendsvierteln ein. Handwerker, Bauern, Knechte und Gesellen mussten ihren einzigen Besitz, ihre Arbeitskraft, gegen einen niedrigen Lohn anbieten. So entstand eine neue, rechts- und besitzlose Arbeiterklasse, die Proletarier. Wegen des geringen Lohns konnten Familienväter ihre Familien nicht ernähren; so mussten auch Frauen und Kinder für einen noch geringeren Lohn arbeiten. Die Kinder wurden wegen ihrer Größe oft in Schächten und Bergwerken eingesetzt.“ (http://www.maristen-gymnasium.de/mgf_alt/faecher/geschichte/projekte/ir/gesellschaft.htm)

Sozialspannungen

Arbeiter organisierten sich, um ihre Rechte einzufordern. Ihre Sprecher forderten auch die Chance für sie auf volle Entwicklung der Persönlichkeit.Dies wurde auch mit dem Begriff der Emanzipation bezeichnet.

1864 trafen sich Mitglieder von Arbeitergesellschaften aus 13 europäischen Ländern und den USA, um sich für die Durchsetzung ihrer Emanzipation international zusammenzuschließen.Sie beschlossen in ihrer Satzung eine Gesellschaft anzustreben, in der alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben. Die Mitglieder verpflichteten sich, nicht nur für sich die Emanzipation zu fordern, sondern gleichberechtigt für alle, unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe.
Diese Idee prägt  die Menschenrechtserklärung von 1948, beschlossen  84 Jahre nach der Gründung der Internationalen Arbeiterorganisation.
Und wie die Delegierten 1864 glaubten, dass jeder Mensch nur durch internationale Zusammenarbeit seine Emanzipation durchsetzen kann, erklärt auch die Menschenrechtserklärung: unsere volle Entwicklung ist nur möglich, wenn sich alle voll entwickeln können.

Die Gesellschaft soll nach dem Prinzip der Vor- und Einsicht ihre Wirtschaft organisieren forderten die Arbeiterdelegierten 1864, nicht nach dem für menschliche Bedürfnisse blinden Gesetz von Angebot und Nachfrage.

1948 formulierten die Menschen, die die Menschenrechtsklärung für die neu geschaffene Weltorganisation, die Vereinten Nationen, ausarbeiteten, welche Bedürfnisse durch die Wirtschaft und Gesellschaft zu befriedigen sind, um die Basis für die volle Entwicklung der Persönlichkeit zu schaffen: Das Recht auf Leben, soziale Sicherheit, Arbeit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Löhne, von denen man menschenwürdig leben kann, Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Wohnen, Kleidung, Bildung, besondere Sorge für die Mütter, Kinder und die Alten.

(Eleonor Roosevelt leitete den internationalen Menschenrechtsausschuss, der die Menschenrechtserklärung ausarbeitete. Sie war von ihrem Mann, dem amerikanischen Präsidenten betrogen worden; ihre Bedingung, das nicht öffentlich zu machen: Sie konnte federführend sie sozialen Projekte voranbringen. Das brachte ihr die Anerkennung und die Chance, soziale Ideen international einzubringen.)

Wie ist die Emanzipation durchzusetzen: Eine Mehrheit in der Gesellschaft dafür gewinnen, die so mächtig ist, dass sie Gesetze durchsetzen kann, die den Bedürfnissen aller entsprechen, erklärt der Beschluss 1864. “ Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muß durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.“ erklärt die Menschenrechtserklärung von 1948. Und: Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.  Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.“

Die UNO-Versammlung hoffte auf im Sinne ihrer Menschenrechte aufgeklärte Bürger, die ihre Rechte der freien Organisation, Information, Beteiligung am politischen Prozess nutzen, um die Politik zu kontrollieren oder selbst zu entscheiden.
Und die Londoner Versammlung setzte ebenfalls auf die Gesellschaft, die Gesetze durch ihren politischen Zusammenschluss erreicht, die die Emanzipation voranbringen.
1864 aber waren sich die Versammlungsteilnehmer bewußt, dass sie das nur gegen harten Widerstand der bisher Privilegierten durchsetzen können, die alle ihre Mittel einsetzen werden, um weiter die Arbeitenden beherrschen und für ihren Reichtum arbeiten lassen zu können.

Und auch 1948 gab es starken Widerstand, die Emanzipation aller Menschen als globale politische Aufgabe zu beschließen. Die Staaten wollten diese radikale Kehrtwende vom Nationalstaat und den Eigentümern der Wirtschaft, denen die Menschen zu dienen hatten, hin zu einem Staat und einer Staatengemeinschaft, die den Bürgern dient, nicht schlucken. Als aber Bürger, die nach Weltwirtschaftskrise, Diktatur und Weltkrieg einen Neuanfang wollten, die die Gründe zu beseitigen, die so viel Leid hervorgerufen hatten, merkten, dass die UNO-Mitglieder die Menschenrechtserklärung in die Schublade schieben und nicht verabschieden wollten,organisierten sie  demokratischen Druck, organisierten Massenversammlungen, Demonstrationen, machten ihr Anliegen zu einem starken Anliegen in den Medien, gewannen Prominente, wie Albert Einstein, Albert Camus und andere für ihre Sache. Die Staaten konnten nicht umhin, die Menschenrechtserklärung anzunehmen, als Verfassung (Magna Charta, Roosevelt vor der Abstimmung). Die Machtergreifung von Politikern und politischen Parteien, die die ungeheuren Verbrechen der Nazizeit organisierten, war – so die Menschenrechtserklärung – nur möglich durch die Verletzung der sozialen Menschenrechte und die Perspektivlosigkeit so vieler Menschen möglich. Die Menschenrechte aller zu sichern, ist deshalb auch nötig, um einer solche politische Entwicklung künftig den Boden zu entziehen.
Die Verabschiedung der Erklärung war Ein Etappensieg, mehr nicht, wie man heute sieht! Denn die Staaten unterrichten nicht über diese Rechte! Anders als sie versprochen haben! Sie verschweigen ihre Verpflichtungen, damit die Bürger sie nicht einfordern. Und viele Menschen leiden heute unter Krieg, Diktaturen, sozialer Perspektivlosigkeit.

Wie muss eine Wirtschaft organisiert sein, in der Bedürfnisse der Emanzipation aller das Ziel ist? Da unterscheiden sie die beiden Beschlüsse von 1864 und 1948. Die Menschenrechtserklärung lässt das offen.
Die Arbeiterdelegierten in London 1864 sahen nur eine Chance, ihre Emanzipation durchzusetzen: Die Menschen, die arbeiten, brauchen auch die Verfügung über die Produktionsmitteln, die Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. So lange diese in den Hand von nur einem Teil der Menschen sind, werden sie sie zu ihren Zwecken einzusetzen, die Wirtschaft nach dem Ziel  organisieren, um ihren Reichtum zu vermehren, nicht die Bedürfnisse aller zu befriedigen.

Die Versammlung setzte auf alternative Betrieben, in denen die Beschäftigten nicht für einen anderen Eigentümer, sondern für von ihnen festgelegt Ziele und nach gemeinsam festgelegten Methoden arbeiten. Und sie hatte das Ziel, dass diese Alternativwirtschaft mit der Unterstützung staatlicher Mittel auf nationaler Stufenleiter organisiert wird, um alle Mittel der Gesellschaft für die Emanzipation aller einsetzen zu können.

Wie heute waren die Völker in sich gespalten, von Vorurteilen gegeneinander in den Staaten und zwischen den Nationen gespalten. So kann die Arbeiterbewegung ihre Emanzipation nicht erringen, stellte der Londoner Kongress fest, das ermöglicht nur den Herrschenden, ihre Ziele durchzusetzen. Das Ringen zur Überwindung der Vorurteile sahen der Vertreter der Arbeitergesellschaften als Voraussetzung für den Zusammenschluss an.
Und auch die Menschenrechtserklärung fordert den Aufbau geschwisterlicher Beziehungen zwischen den Menschen und  eine Bildung, die auf „die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen.“ (Artikel 26).

Die Arbeiterassoziation thematisiert auch Krieg und Frieden und forderte auf, sich Kriegen und Unrecht des eigenen  gegen andere Staaten entgegenzustellen. Sie wirft den Herrschenden vor,  Gut und Blut der Menschen in Kriegen für frevelhafte Ziele zu riskieren. Und sieht auch hier nur in der eigenen Aktivität der Menschen die Chance, dies zu verhindern: Die Arbeitenden sollten sich selbst einarbeiten in die internationalen Beziehungen, hinter die Kulissen gucken, die Außenpolitik kontrollieren, sich ihr entgegenstellen, wenn sie anderen Staaten gegenüber unfair ist, den eigenen Staat dafür anklagen und Alternativen zu erarbeiten und einzufordern in den Außenbeziehungen.

Auf diesen Gebieten war und ist die Arbeiterbewegung bis heute nicht sehr stark. Und die Menschen zahlen mit viel Leid für die heutige Außen- und Kriegspolitik, mit viel Blut und Gut (zu denen auch die Steuern zählen). Und so war es vor allem in der Zeit zwischen 1864 und 1948, mit den Weltkriegen, den Kolonialkriegen, am Ende auch mit dem Abwurf der Atombombe.

In der Vereinigung der Arbeitenden, auch für eine faire Außenpolitik, sahen die Vertreter der Arbeiterorganisationen 1864 als einzigen Weg, ihre Emanzipation durch eigenes Engagement zu erreichen, in jedem Staat und auch international. Die Arbeiterassoziation geht davon aus, dass die arbeitende Bevölkerung die Kraft dazu haben kann auf Grund ihrer großen Zahl. Die aber könne nur wirklich zur Wirkung gebracht werden, wenn sie sich das Wissen aneignen, die richtigen Schritte zu finden: Durch internationalen Wissens- und Meinungsaustauch und gegenseitige Unterstützung in ihren Auseinandersetzungen in ihren Ländern können sie dabei vorankommen, diese politische Kapazität aufzubauen.

Können uns beide Dokumente nicht viel lehren? Die Menschenrechtserklärung können wir einfordern, sie liegt auch dem Grundgesetz in Deutschland zu Grunde. Wir sollten sie bkanntmachen, als Maßstab nutzen zur Beurteilung der Wirklichkeit in unseren Ländern, der Außenpolitik, der Wirklichkeit in anderen Ländern und im Weltmassstab.

Dann können wir aus den kleinen Etappensiegen, wie es einst die Gründung der IAA darstellte und die Verabschiedung der Menschenrechtserklärung doch noch Nutzen ziehen für unsere weltweite Emanzipation. Beide Texte sind hochaktuell, auch weil sie nicht nur sagen, was wir nicht mehr wollen, sondern was wir wollen. Und das Leid und die Unsicherheit in den Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Überarbeit, soziale Unsicherheit, sie sind aus den von Europa einst kolonialisierten Ländern nicht verschwunden und nehmen seit vielen Jahren auch in den Ländern zu, die nach 1945 auf dem Weg waren, die sozialen Menschenrechte für ihre Bürger stärker zu verwirklichen.
Wolfgang Lieberknecht
Demokratische Werkstatt Wanfried

 

Quellen Internationale Arbeiter-Assoziation:
http://www.vulture-bookz.de/marx/archive/volltext/Marx_1864~Inauguraladresse_der_Internationalen_Arbeiter-Ass.html
https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1864/10/statuten.htm

Menschenrechtserklärung:
http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

Gründungsversammlung der IAA 1964

 

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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