Ist ein neues 1933 möglich? Ja, so traurig es ist, sogar gut möglich und nicht nur in Deutschland! Wer das verhindern will, sollte jetzt aktiv werden! Wie? Nicht nur sagen, dass wir keine nationalsozialistische Zukunft wollen, sondern auch, wie eine gute Zukunft aussehen kann, die Antworten finden, wie die heutigen Herausforderungen zu meistern sind! Wenn wir die Gegenwart analysieren, ist Pessimismus sehr begründet, aber wir haben unseren Willen, können einen gemeinsamen politischen Willen schaffen, die großen Herausforderungen zu meistern, die zivilisatorischen Fortschritte zu erhalten und weltweit zu verbreiten! So wie es mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 beschlossen worden ist: Sie drückte den politischen Willen der Staaten aus, gemeinsam einen weiteren Marsch in Wirtschaftskrise, Diktatur und Krieg nicht mehr zuzulassen. Sie ging davon aus, dass das nur demokratisch, sozial, friedlich und durch internationale Zusammenarbeit möglich ist, durchgesetzt von selbstbewußten Bürgern!

Nationalsozialisten sind 1933 nicht vor allem auf Grund ihrer Stärke und Unterstützung von Teilen der Wirtschaftselite zur Macht gekommen, sondern auf Grund der Schwäche der Demokraten: Sie hatten kein realistisches, glaubhaftes Konzept für die von der Wirtschaftskrise bedrohten Menschen. Am Ende resignierten viele Demokraten und unterstützte ein politisch ausreichende Minderheit dann die Bewegung, die scheinbar überhaupt noch eine Zukunft anzubieten hatte und schoben ihre Bedenken bei Seite.
Heute stehen wir wieder vor existentiellen Herausforderungen. Soziale Unsicherheit und Armut wächst, auch in den relativ reichen europäischen Staaten. Menschen suchen Erklärungen dafür und Lösungen. Und diejenigen, die die Schulde Sündenböcken geben, Minderheiten, Ausländern, Flüchtlingen, Muslimen, anderen Länder, sie sind wieder da. Und bekommen immer mehr Anhänger.
Die vorherrschenden politischen Strömungen haben viel Vertrauen verloren: Ihre Versprechen haben sich für die meisten als unwahr erwiesen. Sie haben drastisch die soziale Lage vieler Menschen verschlechtert, den Niedriglohnsektor ausgedehnt, unsichere Arbeitsplätze gefördert,  Altersarmut organisiert. Andererseits werden die Vermögenden immer reicher.
Das ist nicht nur Verrat oder Betrug. Die Globalisierung, Automatisierung, Freiheit der Finanzwirtschaft, global überall investieren zu können, Steueroasen, Klimawandel, all das erfordert neue Antworten, grundlegende Strukturveränderungen. Die nötigen Veränderungen aber machen eine Umverteilung nötig von Oben nach Unten in den reichen Ländern. Und die Vermögenden haben  starken Einfluss, um das zu verhindern. Sie fördern lieber, wie nach 1929 Lösungen durch die Eroberung von Märkten in anderen Ländern, Lösungen auf Kosten anderer Länder. Das gilt für Deutschland, v.a. aber auch für die USA. Das fördert Nationalismus, den Kampf der Nationen ums  Überleben gegeneinander, ist aber keine faire und nachhaltige Lösung.
Wenn dieser Weg nicht weitergehen soll, brauchen wir wirklich faire internationale Lösungen; sie zu erarbeiten, wird den Rechtsextremen den Boden entziehen.
Und heute sind die armen Länder erwacht; viele sind dort inzwischen gebildet und erfahren, dass wir unsere Bedürfnisse in den reichen Ländern viel besser befriedigen können, als sie in ihren Ländern. Und das mit den Rohstoffen aus ihren Ländern und auf Grund einer Weltwirtschaft, die von den reichen Ländern in der Kolonialzeit für ihre Interessen geschaffen worden ist und bis heute nachwirkt.  Viele haben dort nicht einmal die minimalen Existenzbedingungen. Sie werden sich das nicht mehr gefallen lassen. Sie werden versuchen, in die reicheren Gegenden zu kommen oder sich auch extremen Bewegungen anzuschließen, um eine Zukunft zu haben. Diese Fluchtbewegung – die auch interkulturelle und inter-religiöse Probleme aufwirft –  wird nationale Reaktionen hervorrufen und könnte eine tödliche Sackgasse werden: Die Extremisten stärken sich gegenseitig mit dem Hinweis aufeinander. Immer mehr Mittel werden in die Rüstung gesteckt, um den Bedrohungen zu begegnen, und fehlen für die soziale Leistungen; immer mehr Gewalt wird auch das in den Ländern zerstören, was nach der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten aufgebaut worden ist und so langfristig Armut organisieren.
Auch für diesen Konflikt brauchen wir eine Antwort, wenn wir das vermeiden wollen: Ein Programm zur Angleichung der Lebensbedingungen zwischen Nord und Süd, die gemeinsame Organisation kollektiver Sicherheit, das Verbot gewaltsamer Lösungen, Religionsdialog und interkulturellen Dialog und viele persönliche soziale Verbindungen.

Und der Klimawandel wird diesen Zug der Menschen in andere Gegenden verstärken, weil Leben in immer mehr Gegenden nicht mehr möglich ist und sein wird. Auch hier läuft es heute auf den Kampf gegeneinander ums Überleben hinaus. Die, die in ökologisch sicheren Gegenden leben, fühlen sich bedrängt von denen aus ökologisch unsicheren Regionen und sich gegen die Zuwanderung organisieren.

Auch hier brauchen wir Antworten, wie wir Wirtschat und Gesellschaft so umbauen können, dass wir die Umwelt nicht weiter zerstören. Das wird nur gehen, wenn viele Industrien in den reichen Ländern völlig umgebaut werden. Es wird harte Auseinandersetzungen geben.

Zudem verschieben sich die internationalen Gewichte der Staaten: Wird der Übergang von einer Ordnung, die lange von zwei und zuletzt von einem Staat dominiert wurde, zu einer von vielen Staaten und Menschen vieler Länder gemeinsam getragenen Ordnung geschafft werden, oder kommt es wieder zu einem Ausscheidungskampf, der Nationalismus fördert und von ihm gefördert wird und rechtes Gedankengut vom Überlebenskampf der Völker gegeneinander als Naturgesetz.

Wir müssen so viele eingeschliffene Wege verlassen und neue suchen, dass wir dies nur gemeinsam schaffen werden und wir Menschen sehr viel lernen müssen über die großen Herausforderungen,  warum die alten Antworten nicht mehr reichen und dass wir gemeinsam neue erarbeiten müssen.

Wenn wir uns dafür nicht zusammenschließen und diese konstruktiven Antworten erarbeiten – und das braucht viele Menschen mit langem Atem und viel Kreativität – könnte ein Chaos wie nach 1929 drohen. Das sollten wir uns nicht wünschen und vor allem auch nicht unseren Kindern.

Die Hoffnung: Wir wissen, wo wir nach 1929 landeten, heute gibt es mehr gebildete Menschen als je zuvor, mehr Fremdsprachenkenntnisse, die weltweite Zusammenarbeit möglich machen, internationale Kommunikationsmittel, Migranten, die helfen können, Brücken zu bauen, auch mehr Wohlstand bei Mittelschichten, die den auch für den Aufbau so einer Veränderungsbewegung nutzen können.
Der Italiener Antonio Gramsci ahnte in Weltwirtschaftskrise und angesichts des Aufstiegs des Nationalismus und Rechtsradikalismus in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dass den Menschen große Katastrophen bevorstehen. Sein Ratschlag als politischer Gefangener aus Mussolinis Gefängnis ist auch heute hoch aktuell: „Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.“ Es gilt einen politischen Willen zu schaffen, die Zukunft zu meistern und die nötigen Neuorientierungen zu organisieren – packen wir es an!
Wolfgang Lieberknecht
Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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