Jihadist werden oder auswandern! Die Hoffnungslosigkeit der arabischen Jugend – der „Arabische Frühling“, der das nicht geändert hat und die Rolle des Westens: Organisator des Chaos oder unbeteiligter Zuschauer? Brzeszinky: „Es ist heute leichter einen Millionen zu töten als zu kontrollieren!“

 

Gemessen an den Zielen ist der arabische Frühling gescheitert, sowohl an den Demokratisierungzielen, die in den westlichen Medien in den Mittelpunkt gerückt worden sind, als auch an den sozialen Zielen, die vor allem die Aktiven zu ihren Rebellionen getrieben haben.

Gudrin Harrer, die Nahostexpertin des österreichischen „Standard“ beschreibt die hoffnungslose Lage der Jugend in der arabischen Welt: „Denn das Angebot an die jungen Leute in der Region sieht so aus: nach Europa flüchten oder gleich zum „Islamischen Staat“ gehen. Oder auch nacheinander: Man wird in Europa als „Wirtschaftsflüchtling“ deklassiert und kehrt in tiefem Hass auf jene, die einen abgelehnt haben, nach Hause zurück. Oder: Man darf in Europa bleiben, wo aber nicht Milch und Honig fließen und auch keine Wohnung, kein Auto und kein Job warten, sondern das persönliche Scheitern. Ein Rekrutierungspool für die Radikalen.“ – derstandard.at/2000030424107/Der-arabische-Weg-durchs-tiefe-Tal

Die Kämpfer des Islamischen Staats im Irak nutzen eine umstrittene Fatwa, um sich nach dem Kampf ungehemmt am Sex mit Jungfrauen erfreuen zu können.

Sie berichtet, wie viele Menschen in den arabischen Ländern das Scheitern einschätzen: in den arabischen Ländern glauben viele, dass der Westen die  Methode „Teile und Herrsche“ angewendet hat und anwendet, um die arabischen Länder und ihre Rohstoffe weiter kontrollieren und starke Staaten der Araber selber verhindern zu können. Sie wendet ein, dass der Westen gar nichts kontrolliere, sondern Zuschauer sei. Diese beiden Ansichten könnten aber sogar zusammenpassen: Der Westen ist Zuschauer, weil es ihm passt, dass die nach der Kolonialzeit entstandenen Nationalstaaten sich selbst zerstören. Allerdings kann man schon in Zweifel ziehen, ob der Westen nur Zuschauer ist, wenn man an die strategische Unterstützung Saudi-Arabiens, die Waffenlieferung, den Regimewechsel in Libyen, die Forderung Assad muss weg (nicht etwa freie Wahlen), die Zerstörung Iraks, die Unterstützung der Golfregime beim Krieg in Jemen, Israels bei der  Aneignung palästinensischer Gebiete, der anhaltenden Intervention in Afghanistan ansieht. Dass dies zu Chaos geführt hat und führt, könnte nicht etwa ungewollt sein, sondern einem strategischen Konzept des Machterhalts der westlichen Finanzelite entspringen. Diese These will ich hier begründen!

Die Jugend lebt in vielen arabischen Ländern in einer hoffnungslosen Situation, das beschreibt sie richtig. Dass dies einer der Hauptmotive der Rebellionen war, wurde in den westlichen Medien weitgehend verschwiegen, dabei konnte man das schon beim dem Auslöser in Tunesien mit Händen greifen. Warum haben die westlichen Medien das verschwiegen, weil eine Besserung der Lage der Jugend nur über eine Umverteilung von den reichen an die armen Ländern ginge. Er ginge zudem auf Kosten der Profitabilität der Investitionen der reichen Länder in den arabischen Ländern.
Ich bringe drei Argumente, warum ich glaube, dass das Gleiten der arabischen Welt ins Chaos durchaus von den westlichen Eliten einkalkuliert war und einem Zustand stabiler Nationalstaaten vorgezogen wird.

Nicht gespaltene Bevölkerungen könnten gegenüber ihren Eliten und den westlichen Ländern ihre sozialen Rechte stärker durchsetzen und die Organisation der Wirtschaft vor allem für die Bedürfnisse der Menschen dieser Länder.

Stabile Nationalstaaten könnten die Rohstoffe in ihren Ländern nicht mehr den westlichen Konzernen überlassen und ihre Märkte vor dem Absatz westlicher Produkte schützen, um eine eigene Wirtschaft aufzubauen.
Selbstbewusste arabische Nationalstaaten mit ihrem Rohstoffreichtum könnten mit den weltpolitischen Konkurrenten des Westens, China, Russland, den BRICS-Staaten ein Bündnis eingehen, dass die Vorherrschaft der westlichen Elite beendet und entweder ein anderes Bündnis die Vorherrschaft gewinnt oder sie eine gemeinsame Regierung der Welt gleichberechtigt mit anderen Staaten akzeptieren müsste.


Zu dieser Einschätzung bin ich durch drei Hinweise gekommen:

1.) Als die USA die Islamisten in Pakistan zusammenholte, ausbildete und finanzierte, um die Demokratische Partei Afghanistans zu stürzen und eine Modernisierung des Landes zu verhindern, erklärte der CIA: ganz egal, was nach dem Putsch herauskommt, es ist auf jeden Fall besser als die anhaltende Macht der Demokratischen Partei. Der Aufstieg von Al Kaida, IS ist für die USA also auf jeden Fall eher hinnehmbar.
Luciana Bohne von Counterpunch haben wir diese Information zu verdanken.
2.) Sie erklärt uns weiter, dass die USA die Basis für ihre Vorherrschaft durch den Aufstieg anderer Nationalstaaten zu verlieren droht, die wirtschaftliche Übermacht seit 1870; sie setze deshalb ihr nach wie vor vorhandene militärische Übermacht ein, um die anderen Nationalstaaten zu zerstören, um so ihre Vorherrschaft zu behalten.
3.) Angesichts der Bildung und Kommunikationsmöglichkeiten der heutigen Jugend, auch im armen Teil der Erde, wird sie sich ein Leben in menschenunwürdigen Bedingungen nicht mehr gefallen lassen, sondern menschenwürdiges Leben einfordern. Das aber ginge nur auf Kosten der heutigen Wohlstandsverteilung auf der Welt, auf Kosten der reichen Länder, der Gewinnträchtigkeit der Investitionen der vermögenden Eliten weltweit. Wenn man das nicht wolle, könne man seinen Reichtum nicht mehr durch die Kontrolle der Jugend sichern, das sein unmöglich. Aber man könne sie sich noch in Kriegen gegenseitig verheizen lassen und so die Bedrohung der heutigen Wohlstandspyramide beseitigen.
Ich halte diese Argumente angesichts dessen, was wir in der arabischen Welt und in anderen Weltregionen erleben für stichhaltig und wirksam.
Eine neue Ordnung, die die Jugend mit ihrer Bildung und ihrem Wissen als gerecht akzeptieren würde, ginge tatsächlich nur durch neue soziale Beziehungen in den Ländern und weltweit, die nicht mehr Vermögensvermehrung der reichen Eliten, sondern die sozialen Menschen für alle zu Ziel hat. Die Organisation oder Hinnahme von Chaos, Krieg und Zerstörung  ist für einen mächtigen Teil der westlichen Elite und ihrer Verbündeten im armen Teil der Welt, da die bevorzugte Lösung. Das wird aber immer mehr auch auf die reiche Welt zurückschlagen (Flucht, Terrorangriffe, Bedrohung bei Militärinterventionen auch der jungen Leute aus der reichen Welt, Abbau der Demokratie zur „Terrorabwehr“) und tut es bereits. Ein Zukunftskonzept ist das weder für die Jugend der armen noch der reichen Welt. Das Herauskommen der arabischen Welt wird wohl nur möglich sein, wenn sich auch in der nicht arabischen und vor allem der westlichen Welt ein anderes Selbstverständnis durchsetzt: Soziale Menschenrechte, Selbstbestimmung der Völker zuerst, nicht unkontrollierte Marktgesetze, die die Reichtümer der Welt auf die Konten der Reichsten spülen zu Lasten der Verwirklichung der sozialen Menschenrechte in der arabischen Welt und weltweit.  Allerdings wird es auch nicht ohne die arabische Welt gehen, die eine die Spaltungen überwindende Zivilgesellschaft schaffen muss als Grundlage für demokratische Nationalstaaten. Vielleicht kann man das durch Zusammenarbeit mit Flüchtlingen fördern.
Wolfgang Lieberknecht
Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

Bilder der westlichen Interventionen:

Libyen: 

Irak

Syrien

Jemen

Afghanistan

Somalia (auch muslimisch-arabisch und mit den gleichen Problemen)

Bahrain

Screenshot von arte-Dokumentation "Verbotene Bilder", Bild: Fabian schmidmeier

(BAHRAIN: EINE VERGESSENE REVOLUTION: Auch in dem Inselstaat Bahrain kommt es seit dem Beginn des Arabischen Frühlings zu Demonstrationen gegen den Diktator al-Khalifa. Das sunnitische Königshaus unterdrückt seit Jahrzehnten die schiitische Bevölkerungsmehrheit besonders brutal. Als al-Khalifa den Demonstranten nicht mehr Herr wurde, marschierte Saudi Arabien kurzerhand ein und schoss die Kundgebungen nieder. Warum aber schweigt der Westen hier – anders als in Libyen und anderen arabischen Staaten? Ein arte-Team hat den Inselstaat besucht und das Leben der Bevölkerung im Ausnahmezustand dokumentiert: https://www.youtube.com/watch?v=haOOBYxUh98 – https://www.youtube.com/watch?v=bTJyFmLlSSM – https://www.youtube.com/watch?v=d3U8FnylsDA – https://www.youtube.com/watch?v=y94S3Vifb7Y)

Saudi-Arabien

Im Text verwendete Thesen aus folgenden Quellen:

These: Zur Verteidigung der Vorherrschaft der globalen reichen Elite, wird Krieg gefördert, weil anders die Jugend nicht mehr im Schach zu halten ist: Es ist leichter sie zu töten, als zu kontrollieren auf Grund ihrer Bildung, ihrer Ansprüche und Vernetzung.

Das von Brzezinski befürchtete „weltweite Erwachen“ der Massen ist jetzt da

Ganzer Text unten:

These: Die USA zerstört die  Nationalstaaten, die sich ihrer Vormacht nicht beugen, um ihre globale Vorherrschaft nicht aufgeben zu müssen! Einschätzung von Luciana Bohne, Mitbegründer der Filmkritik, einer Zeitschrift der Filmwissenschaft, lehrt an Edinboro Universität in Pennsylvania

http://www.counterpunch.org/2015/02/20/the-logic-of-the-imperial-security-state/

Ganzer Text unten:

1.)

Das von Brzezinski befürchtete „weltweite Erwachen“ der Massen ist jetzt da

Zbigniew Brzezinskis gefürchtetes “weltweites politisches Erwachen” ist nun voll im Gang. Revolten in Ägypten, Jemen, Tunesien und anderen Ländern stellen in der Tat einen gewaltigen weltweit immer weiter anschwellenden Aufschrei dar. Die Menschen fordern Freiheit, während die Agenda der Eine-Weltregierung in unermesslichem Umfang ins Wanken zu geraten droht – aber nur dann, wenn die Revolutionäre auch erfolgreich sind und verhindern können, dass sie von einer paranoiden und hoffnungslosen Elite vereinnahmt werden.

Während einer Rede vor dem Council on Foreign Relations in 2010 warnte Zbigniew Brzezinski – der gemeinsam mit David Rockefeller die Trilaterale Kommission ins Leben rief und regelmäßig an Bilderberg-Treffen teilnimmt – vor der Gefahr eines „weltweiten politischen Erwachens“, vornehmlich jüngerer Menschen in Entwicklungsländern, das drohe, die bestehende internationale Ordnung zu zerstören.

Wenn man sich die Worte Brzezinskis noch einmal im Lichte der aktuell überall in der Welt ausbrechenden Revolten vergegenwärtigt, wird einem klar, von welch entscheidender Bedeutung der Ausgang dieser Phase der modernen Geschichte für den geopolitischen Kurs der Welt sowie das Überleben und das Anwachsen der menschlichen Freiheit ist. Brzezinski führte aus:

„Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit ist nun praktisch die gesamte Menschheit politisch aktiv – sie hat ein politisches Bewusstsein und wirkt politisch aufeinander ein…Der sich daraus ergebende weltweite politische Aktivismus führt zu einem starken Anwachsen des Strebens nach persönlicher Würde, kulturellen Respekt und wirtschaftlichen Möglichkeiten, in einer Welt, die schmerzlich durch die Erinnerungen jahrhunderterlanger Kolonialisierung oder imperialer Herrschaft mit Narben übersät ist…

Das weltweite Verlangen nach menschlicher Würde ist eine zentrale Herausforderung, die dem Phänomen des globalen Erwachens innewohnt…Dieses Erwachen ist gesellschaftlich massiv und politisch radikalisierend…Der praktisch universelle Zugang zu Radio, Fernsehen und zunehmend auch zum Internet schafft eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Auffassungen und des Neides, welche die Menschen aufrütteln kann und durch welche politisch-demagogische oder religiöse Leidenschaften kanalisiert werden. Diese Energien überschreiten Landesgrenzen und stellen eine Herausforderung für die bestehenden Staaten sowie die bestehende globale Hierarchie dar, an deren Spitze sich Amerika aktuell noch befindet…

Die Jugend, speziell in der Dritten Welt, ist unruhig und aufgebracht. Die demographische Revolution, die sie verkörpern, ist somit eine politische Zeitbombe…Ihre potenzielle revolutionäre Speerspitze dürfte sich wahrscheinlich aus den Unmengen an Millionen von Studenten herausbilden, die sich oftmals in den intellektuell zweifelhaften ´Hochschul`- Bildungseinrichtungen der Entwicklungsländer zusammenballen.

Je nach dem, wie man dieses Hochschulbildungsniveau definiert, gibt es gegenwärtig weltweit zwischen 80 und 130 Millionen ´Hochschul`-Studenten. Typischerweise kommen sie aus der sozial instabilen Mittelschicht und sind von einer Art gesellschaftlicher Wut angefacht – diese Millionen an Studenten sind auf der Lauer liegende Revolutionäre, die bereits in großen Ansammlungen halbmobilisiert sind, über das Internet miteinander in Verbindung stehen und sich gerade neu positionieren, um im größeren Stile eine Wiederholung dessen aufleben zu lassen, was in früheren Jahren in Mexico Stadt oder auf dem Platz des Himmlischen Friedens geschah. Ihre körperliche Energie und ihre emotionelle Frustration warten nur darauf, von einer Ursache, einem Glauben oder Hass…entfesselt zu werden…

Die großen Weltmächte, die neuen und die alten, sehen sich auch einer neuen Realität gegenüber: Während das Tötungspotenzial ihrer militärischen Macht größer ist als je zuvor, befindet sich ihre Fähigkeit, den politisch erwachten Massen der Welt eine Kontrolle aufzuzwingen, auf einem historischen Tiefststand.

Rundheraus gesagt: Früher war es einfacher eine Million Menschen zu kontrollieren, als eine Million Menschen zu töten; heute ist es ungleich einfacher, eine Million Menschen zu töten, als eine Million Menschen zu kontrollieren.“

Es ist wichtig, an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass Brzezinski das Aufkommen des „weltweiten politischen Erwachens“ nicht begrüßt, sondern vielmehr betrauert. Als einer der Chefarchitekten der„bestehenden globalen Hierarchie“, auf die er sich in oben stehendem Auszug der Rede bezog, stellt diese Entwicklung für Brzezinski eine direkte Bedrohung dar, da die anhaltende Fähigkeit der globalen Elite, die allgemeinen Weltgeschehnisse zu steuern, in Gefahr ist.

Brzezinski beklagt die Tatsache, dass es das Internet der globale Elite praktisch unmöglich gemacht hat, die politische Umwelt sowie die Gedanken und das Verhalten von Millionen von Menschen zu kontrollieren. Er bedauert somit genau den Sachverhalt, der dazu führte, dass Ägypten gestern den Zugang zum Internet sperrte – ein hoffnungsloser Versuch der ägyptischen Regierung die Aktivisten davon abzuhalten, sich gegen den Staat zu organisieren.

Wie es in der Regel der Fall ist, wenn es zu plötzlich entstehenden Aufständen und Revolutionen kommt, warnt uns die Geschichte, dass das, was wir beobachten können, nicht für bare Münze zu nehmen ist, und wir uns immer der zahlreichen fabrizierten und absichtsvoll geschaffenen „farbigen Revolutionen“ Gewahr sein müssen, die keinem anderen Zweck dienten, als es der globalen IWF/Weltbank-Elite zu erlauben, eine Schurkenmacht zu stürzen, um das Land durch die Hintertür mithilfe ihres im Nachgang installierten Marionettenregimes zu beschlagnahmen.

In den letzten Wochen hat sich der Dominoeffekt der weltweiten Revolutionen jedoch weiter beschleunigt, und es scheint sich hierbei um ein authentisches, vom Volk her kommendes Aufbegehren zu handeln, wo die Menschen wirkliche Freiheit und die Beendigung diktatorischer Regime fordern, welche in der Vergangenheit durch die Vereinigten Staaten und die Bankenelite unterstützt worden sind.

Die weltweiten Revolten erstrecken sich über den Nahen Osten und Nordafrika und streiften bereits Europa, wo es in Italien, Frankreich, Griechenland und Großbritannien im vergangenen Jahr zu Aufständen und Demonstrationen kam. Diese weltweite Revolte charakterisiert sich durch eine Gegenbewegung, die sich den Diktaturen entgegenstellt, Polizeibrutalität und politische Repressionen.

Diese Faktoren brodelten bereits einige Jahre unter der Oberfläche – und nur dank einer höheren Bildung und einem leichteren Zugang zu Informationen sowie der Fähigkeit, sich über das Internet zu organisieren, erklärte eine neue Generation von Aktivisten letztendlich, dass es jetzt genug sei. Die sich in die Höhe schraubenden Nahrungsmittelpreise heizen die Inflation an. Geringe Gehälter und eine hohe Arbeitslosigkeit spielten bei dieser Entwicklung ebenfalls eine zentrale Rolle.

Andrew Gavin Marshall schrieb in seinem exzellenten Artikel mit dem Titel „Werden wir gerade Zeugen einer globalen Revolution?“:

„Wir dürfen diese Proteste und Aufstände nicht einfach beiseite wischen, indem wir sagen, sie seien durch den Westens angefacht worden, sondern wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass sie sich organisch entwickelt haben, während der Westen dann im Anschluss daran versuchte, die sich herausbildenden Bewegungen zu vereinnahmen und unter Kontrolle zu bringen.“

Im Falle von Ägypten, Jemen und Tunesien haben es mit drei Regimen zu tun, die alle über Jahrzehnte hinweg die Unterstützung des militärisch-industriellen Komplexes der USA genossen. Bei allen drei Regimen handelte es sich um absolut hörige Vasallenstaaten der Neuen Weltordnung. Für die globale Elite bestand in diesen Ländern gar keine Notwendigkeit, „farbige Revolutionen“ zu inszenieren.

Tatsächlich waren die Würfel bereits gefallen, als die Obama-Regierung gestern ihre Unterstützung für den seit 30 Jahren im Amt befindlichen ägyptischen Diktator Hosni Mubarak in Form eines PBS-Interviews zum Ausdruck brachte, in welchem der der US-Vizepräsident Joe Biden nahelegte, dass die Forderungen der Demonstranten illegitim seien.

Andrew Gavin Marshall führt hierzu aus:

„Die reflexartigen Maßnahmen imperialer Mächte bestehen darin, die repressiven Regime weiter zu bewaffnen und zu stützen sowie in der Möglichkeit, mithilfe verdeckter Operationen und offener Kriegsführung (wie es in Jemen getan wurde) Destabilisierungen zu organisieren.

Die Alternative dazu ist, eine Strategie der ´Demokratisierung` zu betreiben, bei der westliche Nichtregierungsorganisationen, Hilfsorganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft enge Kontakte und Beziehungen zur inländischen Zivilgesellschaft in diesen Regionen und Ländern knüpfen. Das Ziel dieser Strategie ist es, die inländische Zivilgesellschaft zu organisieren, zu finanzieren und ihr auf direkte Art zu helfen, damit sie ein demokratischen System nach dem Vorbild des Westens errichten kann und die Kontinuität der internationalen Hierarchie somit gewahrt bleibt.

Im Grunde genommen beinhaltet das Projekt der ´Demokratisierung` die Schaffung eines nach außen hin sichtbaren Konstrukts eines demokratischen Staates (Mehrparteienwahlen, aktive Zivilgesellschaft, ´unabhängige` Medien usw.), und dennoch bleibt die Kontinuität der Unterwürfigkeit gegenüber der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, den internationalen Konzernen und den westlichen Mächten gewahrt.“

Wir sollten auch nicht vergessen, dass jedes Land, das sich seine Souveränität bewahrt, im eigenen Interesse handelt und versucht, so stark, wirtschaftlich und kulturell erfolgreich wie möglich zu sein, ein Feind der Globalisten ist.

Die internationale Hierarchie verlangt Unterwürfigkeit, Abhängigkeit, Schwäche und eine Verwässerung des nationalen Erbes und der Kultur, damit eine jede Nation in die Sphäre der Kontrolle der Weltregierung eingepasst werden kann.

Täuschen Sie sich nicht, was wir gegenwärtig beobachten können ist eine globale Revolution – das Zeitalter des Zorns fällt nun über uns herein, und die fallenden Dominosteine reichen über den gesamten Planten.

Ob der Ausgang dieser globalen Revolution die aktuelle globale Hierarchie stürzen wird, so wie es von Zbigniew Brzezinski befürchtet, bleibt abzuwarten. Das wird mit Sicherheit davon abhängen, wer die neuen Regierungen kontrollieren wird, mit denen die gestürzten Herrscher ersetzt werden.

Werden diese neue Regierungen von den Menschen kontrolliert, die den Veränderungsprozess in Gang brachten, oder werden sie von der Weltbank der Vereinten Nationen, dem Internationalen Währungsfonds, den Nichtregierungsorganisationen und dem Rest der globalen Elite kontrolliert, die gegenwärtig händeringend versuchen zu verhindern, dass ihre Agenda der Weltregierung aufs Abstellgleis geschoben wird.

 

2.) Übersetzung des Artikels des Artikels: Der imperiale Sicherheitsstaat (Link) von Wolfgang Lieberknecht

Die Vernichtung der amerikanischen Demokratie

Die Logik des imperialen Sicherheitsstaates

Was soll man von einer Politik halten, die Länder bombardiert und sie dann ihrem Schicksal überlässt? Die meisten Beobachter der Außenpolitik der Vereinigten Staaten beurteilen die Politik als Fehlschlag. Sie betrachten die Ruinen von Libyen, Somalia, Jemen, Afghanistan und Irak – sie sehen keine Siegesparaden, keinen Wiederaufbau, keine stabilen Regierungen, keine Volksherrschaft und keine Rechte der Menschen. Diese Beobachter sind noch in den Maßstäben der Modelle der Vergangenheit verhaftet. Etwa des Zweiten Weltkrieges, ein erklärter Krieg, Schlachten, Siege, Verhandlungen, Verträge und Wiederaufbau. Denken wir also an Europa, den Marschallplan, an Japan. Sie meinen noch eine Weltordnung im Kopf haben, in der internationales Recht noch etwas gilt, die Genfer-Konvention, die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten als Wächter dieser Ordnung. Davon ausgehend macht das Chaos, dass die USA über den Erdball verbreitet, keinen Sinn. Die Außenpolitiker müssen verrückt geworden sein, muss man daraus schließen.

Nichts von dem trifft es. Sie mögen größenwahnsinnig sein, aber sie organisieren planmäßig die Zerstörung der Ordnung, um mit militärischer Gewalt ihren wirtschaftlichen Zielen zu unterwerfen. Die USA verliert die Stellung als stärkste Wirtschaftsmacht der Erde; sie hatte sie seit 1870 inne. Und die Geschichte lehrt uns, es ist unmöglich ein globales Imperium aufrechtzuerhalten ohne wirtschaftliche Überlegenheit. Das amerikanische Imperium steht mit dem Rücken an der Wand, aber es hat immer noch seine militärische Übermacht nach dem Niedergang ihres größten Herausforderers, der Sowjetunion, die größte Tragödie für den relativen Frieden in unserer Weltregion. Die Welt änderte sich völlig am 11. September 2011.  Amerika bekam eine Rechtfertigung mit militärischen Mitteln die globale Vorherrschaft zu sichern, die sie wirtschaftlich bereits verloren hatte. Die Vereinigten Staaten nutzen die Gelegenheit, im eigenen Land einen heimlichen Staatsstreich zu organisieren. Er begann mit dem „Patriotic Act“ (Einschränkung der Bürgerrechte per Gesetz) und ging dann schrittweise weiter voran, den US Staat von einer Demokratie zu einem Sicherheitsstaat zu verändern und ohne Widerstand einer in Angst versetzten Bevölkerung Teile der Welt zu zerstören, ein nicht gefügiges Land nach einander. Es ist der 3. Weltkrieg, nur bekommt das niemand als solchen mit außer den direkten Opfern.

Richtig? Sieh dir den Irak an, das Land wird von Krebszellen zerstört, die Schmerzen und Leid produzieren während das Land stirbt. Aber sieh dir auch die Grenzen des Landes an, etwas zum Iran, sie ist besetzt mit US-amerikanischen Militärbasen. Afghanistan? Das Land ist dauerhaft auf ewig militärisch von den USA besetzt über ein Abkommen zwischen Washington und Kabul abgesichert, wodurch Iran auch von seiner östlichen Grenze bedrängt ist. Libyen? Die Beseitigung von Muanmar Gaddafi hat dem ganzen afrikanischen Kontinent den Schutz von einer neu-kolonialen Durchdringung genommen.

Es folgte die französische Invasion in Mali. Nach dem Sturz Gaddafis ist die die nordafrikanische libysche Küste zu einem riesigen Hafen für Flüchtlinge geworden, wo sich tausende von hoffnungslosen Menschen sammeln, um vor Krieg und Hunger nach Italien zu fliehen, wenige hundert Kilometer entfernt, oft in Schlauchbooten. Nach Angaben der Vereinten Nationen landen 90 Prozent dieser Flüchtlinge in Italien. Vor einigen Wochen ertranken 300 Flüchtlinge vor der Küste von Lampedusa, einer vulkanischen Insel südlich von Sizilien. Amnesty International berichtet, dass 37.000 Flüchtlinge nur darauf warten, übers Meer zu kommen und die Küsten Europas zu erreichen. Zwei Regierungen, zwei Parlamente und zwei Armeen regieren Libyen derzeit. Beide streben nach der Macht und der Kontrolle der Ölfelder im Golf von Sirte. Islamistische Milizen kontrollieren Tripolis, ein von der internationalen „Gemeinschaft“ anerkannte Regierung kontrolliert Tobruk. In diesem Vakuum kann  sich jetzt IS ausbreiten. Sie ist in Derna und beginnt junge Männer auszupeitschen, von denen bekannt ist, dass sie Alkohol trinken. Vielleicht in zwei Monaten wird IS die libysche Küste kontrollieren; die USA hält sie nicht davon ab.

Libyen ist ein Beispiel wie auch andere, das die tatsächliche Logik der imperialen Politik der USA zeigt. Nach der Bombardierung und dem grotesken Spektakel der  Hinrichtung des Führers, stürzt das Land ins Chaos. Dann breiten sich „Terroristen“ aus, die das Land säubern. Glaubt noch jemand, dass diese „Terroristen“ wirklich die Feinde des US-Imperiums sind? Zweifelt noch jemand, dass sie das Gleiche sind wie die Einsatzgruppen der SS Hitlers. Mit ihren sadistischen Vorführungen öffentlichen und grotesken Terrors liefern sie dem Imperium die Begründungen für militärische Interventionen im Irak und einer neuen Bombardierungskampagne in Syrien für einen Regimewechsel. Darüberhinaus hält die vermeintlich wachsende Bedrohung durch den wachsenden Terrorismus die Vasallen des US-Imperiums zusammen für ein gemeinsames Ziel: Der nötige Kampf gegen den Terrorismus – um die Sicherheitsmaßnahmen in den eigenen Ländern voranzutreiben und um die Außenpolitik in den anderen Ländern zu internationalisieren.

Italien liefert gerade ein gutes Beispiel für die Dienste für die Ziele des Imperiums. Italien bereitet eine internationale Antwort vor auf das Anwachsen von IS in Libyen. Zu diesem Zweck lässt sie das Gespenst der schwarzen Flagge oben auf dem Petersdom fliegen . Der italienische Außenminister, Paolo Gentiloni, alarmierte die Zuschauer vor kurzem auf SkyTg24, dass Italien sich von der alarmierenden Situation in Libyen bedroht fühlt, dass die Krise das Ergebnis der Teilnahme Italiens an dem Putsch in Libyen ist, aber vergisst er zu erzählen. Gentiloni warnte, dass wenn die Vermittlung scheitert  und es nicht zu einer Annäherung der Konfliktparteien in Libyen komme, Italien bereit ist, in einem Szenario der internationalen Legalität auch zu kämpfen. “

 

Der „Krieg gegen den Terror“ war eine brilliante Propagandaidee. Sie erlaubte es, in allen westlichen Ländern die demokratische Ordnung durch Ausnahmegesetze  so einzuschränken, dass sie den Übergang von einem demokratischen Verfassungsstaat zur Kontrolle des Staates über die Bürger ermöglicht. In den USA hat der Patriot Act diesen Kontrollstaat auf den Weg gebracht, denn Poliologen gern als  „Sicherheitsstaat   bezeichnen, um das Wort Polizeistaat, in dem jeder Bürger im Verdacht steht, ein potentieller Terrorist zu sein, vermeidet. Die Aufgabe dieser Art von Staat ist es nicht, die Ordnung zu sichern, sondern das Chaos, daß der produziert zu beherrschen. Weltweit gesehen, wird der Terrorismus als Instrument  genutzt, um Chaos hervorzurufen, und der Weltpolizist, die USA und ihre Verbündeten, werden dann gerufen, es zu beherrschen.

Ohne Frage ist Amerika ein hoffnungsloser Fall, und sollte in ein Flüchtlingsheim eingewiesen werden für Staaten mit napoleonischen Weltmachtträumen, aber nicht wegen seiner Misserfolge, sondern wegen seiner Erfolge: Sie zerstören die Demokratie und nennen es Sicherheit; sie terrorisieren die Welt, ein Land nach dem anderen und es nennen. . . was denn? Anti- Terrorismus. Sie verursachen damit die Wirkung und nennen es die Ursache. Ist das ein Fehler? In moralischer Hinsicht: Ja. Vom Standpunkt globaler Herrschaftspolitik: Nein!  Luciana Bohne ist Mitbegründer der Filmkritik, einer Zeitschrift der Filmwissenschaft und lehrt an Edinboro Universität in Pennsylvania.: Sie ist zu erreichen unter Lbohne@edinboro.edu

http://www.counterpunch.org/2015/02/20/the-logic-of-the-imperial-security-state/

 

 

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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