Occupy hat Sanders den Weg bereitet: Die Menschen haben den realen Kapitalismus satt! Die Linke ist in den USA zurück!

„Richard Wolff: „Es gibt in den USA inzwischen eine immense Ablehnung gegen die großen Bankhäuser, von denen das Finanzsystem kontrolliert wird. Sie gelten als korrupt und eng verbunden mit den alten Parteien und Politikern wie Clinton. Jeder Politiker, der dieser Macht ernsthaft etwas entgegensetzt, wird vor allem von der jungen Wählerschaft Zuspruch erhalten. In dieser Wahlkampagne läuft die Demokratische Partei ernsthaft Gefahr, die Jugend an die Linke zu verlieren.

Richard Wolff ist emeritierter Professor für Wirtschaft an der University of Massachusetts, wo er zwischen 1973 und 2008 lehrte. Derzeit ist er Gastprofessor an der New School University in New York. Wolff ist einer der bekanntesten Marxisten in den USA, der auch politisch aktiv ist. Er ist Mitorganisator des Brecht-Forums in Manhattan, New York.
Bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei in Iowa haben von den Wählern zwischen 17 und 29 Jahren 84 Prozent für Sanders und 14 Prozent für Clinton gestimmt. Diese junge Wählerschaft ist nach dem Ende des Kalten Krieges aufgewachsen und deswegen nicht so stark von Antikommunismus beeinflusst. Zudem sind sie direkt vom kapitalistischen Zusammenbruch 2008 betroffen:
Das war ein immenser Sieg für Sanders. Vor einigen Monaten wurden ihm nur zehn Prozent der Stimmen vorhergesagt. Er hatte keine Wahlkampfmaschinerie, um die Menschen zu mobilisieren. Die Clintons haben ihren Apparat über 20 Jahre aufgebaut. Es gab, anders als bei Clinton, nur wenig Unterstützung von anderen Politikern. Sanders hatte zwei Merkmale: das Label als „Sozialist“ und den Umstand, dass er deutlich „anders“ ist als herkömmliche Politiker, was auf Clinton keineswegs zutrifft. Dass er nun also die Hälfte der Stimmen bekommen hat, ist ein überwältigender Sieg in einem Land, das Sozialismus und Kommunismus über 65 Jahre in einer epischen Propagandaschlacht als das ultimative Böse gesehen hat.
In den USA ist eine öffentliche antikapitalistische Positionierung erst durch die Occupy-Wallstreet-Bewegung wieder möglich geworden, was zugleich ihre historische Bedeutung belegt. Occupy Wall Street hat Sanders sozusagen den Weg geebnet.

Der nächste Schritt war die Kampagne „We are the 99 percent“ (Wir sind die 99 Prozent), die den Kapitalismus noch immer nicht direkt angriff. Aber mit dieser Vorarbeit konnte Sanders den wichtigen programmatischen Schritt zu einer Art Sozialismus machen, er spricht vom „demokratischen Sozialismus“. Sanders traute sich zu testen, ob die US-Amerikaner letztlich mit einem 65 Jahre bestehenden Tabu gebrochen haben und bereit sind, den Vorschlägen und Angeboten eines Sozialisten ernsthaft zuzuhören. Sein Ergebnis in Iowa zeigte, dass Millionen US-Amerikaner dazu willens sind.
Sanders‘ 50-Prozent-Ergebnis in Iowa hat monumentalen Charakter, weil es die Rückkehr der Linken in die US-Politik bedeutet. Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie stark diese Linke wird und wie weit sei kommt. Aber vom Beginn der Occupy-Wall-Street-Bewegung im Jahr 2011 an bis hin zu Sanders‘ Kandidatur im Jahr 2016 hat die US-Politik eine deutliche Zäsur erfahren.

Der Verdienst dafür liegt beim Kapitalismus selbst. Seine Funktionsweise, seine Instabilität und die aus ihm erwachsene Ungleichheit sind die treibenden Kräfte der neuen Linken, die in den USA entsteht. Diese Linke sammelt sich nun um Sanders, ihren ersten Helden. Aber diese Bewegung wird nun erfahren, wie heftig der Widerstand gegen ihn werden wird, wie hemmungslos die Rechte um Politiker wie Donald Trump oder Ted Cruz zurückschlagen wird.

Vor allem aber wird diese Bewegung sich zügig über die alten und neuen Formen des Sozialismus informieren, sie wird Marx und den Marxismus wieder entdecken und damit ein wichtiger Teil der globalen sozialistischen Bewegung werden.
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47336/1.html

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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