Studentin rettet Syrer vor rassistischen Schlägern: „Ich habe meine moralischen Werte verteidigt.“

Studentin rettet Syrer vor rassistischen Schlägern

Im Regionalzug nach Zwickau schauten fast alle weg, als eine Gruppe Männer zwei Flüchtlinge terrorisierte. Doch eine junge Frau stand auf.

Die couragierte Studentin auf dem Hauptbahnhof in Chemnitz:“Ich habe meine moralischen Werte verteidigt.“

Von Oliver Hach
erschienen am 29.02.2016
„Ich habe meine moralischen Werte verteidigt.“

Zwickau: Nach dem Sachsenderby Chemnitzer FC gegen Dynamo Dresden treibt ein kräftig gebauter Mann um die 1,90 Meter, vermummt mit Sonnenbrille und CFC-Fanschal, einen jungen Syrer vor sich her. Er hat den Flüchtling am Hals gepackt und schleift ihn ungehindert durchs Oberdeck des Doppelstockzugs. Die Waggons sind voller Reisender, doch niemand traut sich einzuschreiten. Bis die beiden am Platz von Leonie Müller* vorbei kommen. Die junge Frau hat Kopfhörer auf und hört Musik, bemerkt daher erst im letzten Moment, was los ist. Sofort steht sie auf, geht auf den breitschultrigen Mann zu und schleudert ihm, auf den völlig verängstigten Flüchtling deutend, die Worte entgegen: „Lass ihn in Ruhe!“

Leonie Müller kann kein Karate und hat noch nie einen Selbstverteidigungskurs besucht. Die Chemnitzer Studentin ist eine zierliche junge Frau – aber sie hat Mut. „Das Überraschungsmoment war auf meiner Seite“, erzählt sie. Der Täter ließ von seinem Opfer ab, schnappte sich jedoch dessen Rucksack und machte sich aufs Unterdeck davon.

Die 24-Jährige rannte hinterher, traf Sicherheitsleute der Deutschen Bahn und forderte sie auf, den Täter festzuhalten. Doch die lehnten ab. Es gebe im Zug nicht nur diesen einen Mann, sondern eine ganze Gruppe Gewaltbereiter. „Die Sicherheitsleute sagten, sie können nicht sechs solche Klötze festhalten“, berichtet die Studentin. Fünf weitere offenkundig rassistische Schläger hatten schon seit der Abfahrt in Chemnitz einen weiteren Asylbewerber, den Freund des ersten Opfers, tyrannisiert. Laut Polizei wurde er „ins Gesicht geschlagen und gewürgt“. In Hohenstein-Ernstthal stiegen die Täter aus. Dort wurde später der geraubte Rucksack gefunden.

Leonie Müller indes kümmerte sich weiter um die Opfer. Sie versuchte, die beiden Syrer zu beruhigen. In Zwickau begleitete sie die beiden zusammen mit den Sicherheitsleuten zur Polizeistation im Bahnhof, wo sie Anzeige erstatteten.

Eckhard Fiedler von der Bundespolizeidirektion Klingenthal, wo die Anzeige einging, bestätigt den Hergang. „Das Verhalten der jungen Frau war sehr couragiert“, sagt er, „ich habe ihr meinen Dank ausgesprochen.“ Es sei nicht alltäglich, dass jemand so mutig einschreite. Leonie Müller selbst sagt: „Ich finde es selbstverständlich, dass man so was macht.“ Und: „Ich habe meine moralischen Werte verteidigt.“

Inzwischen hat die Bundespolizei in Chemnitz die Ermittlungen übernommen. Sprecherin Anett Bochmann sagt, fachkundige Beamte der Fanszene hätten die Gruppe schon beim Einsteigen in den Zug beobachtet, seien aber selbst nicht eingestiegen. Die Tatverdächtigen seien der Polizei bekannt.

*Name von der Redaktion geändert

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Studentin-rettet-Syrer-vor-rassistischen-Schlaegern-artikel9448997.php?cvdkurzlink=f

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Autor: demokratischewerkstatt

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