Wir sind selbst verantwortlich, dass heute so viele Menschen fliehen und der IS uns bedroht: Wir haben unsere westlichen Regierungen nicht davon abgehalten, den Nahen Osten zu zerstören! Obwohl wir die demokratischen Rechte haben, selbst für eine Politik für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte zu sorgen, die das Grundgesetz sogar verlangt! Michael Lüders hat unser Versagen knallhart aufgedeckt! Intelligente Muslime zwischen dem Hammer westlicher Heuchelei und dem Amboss unfähiger arabischer Regime! Wir Bürger in den westlichen Staaten zusammen mit Menschen im Nahen Osten können Wege aus dem Chaos suchen, dazu ist die Neuerfindung der westlichen Außenpolitik nötig! Packen wir es an!

Warum der Westen schuld am IS ist

Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet
von Michael Lüders
Vorgestellt von Christine Romann

Ein Glaubenssatz aller westlichen Gemeinwesen lautet: Unsere Politik steht für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Wir sind die Guten! Fanatische Muslime, mittelalterliche Terrorregime, böse Diktaturen – davon müssen wir die Welt befreien.

Aber geht es der westlichen Politik wirklich um Demokratie?

Nein, es geht immer um Macht, sagt der Islamwissenschaftler und Nahost-Experten Michael Lüders in seinem neuen Buch „Wer den Wind sät“. Der fanatische Islam, der Terror, die brutale Gewalt des IS – das ganze Desaster wäre nicht in der Welt ohne die fatalen Interventionen des Westens innerhalb der letzten 60 Jahre, meint der Autor: „Die Spuren führen immer in Richtung Washington.“

Der Westen stürzte die erste frei gewählte Regierung im Iran

Für die Recherche zu seinem Buch ist Lüders zurückgegangen bis in die 50er-Jahre. Im Iran ereignete sich der Sündenfall schlechthin, sagt er: Es war der Sturz der ersten demokratisch gewählten Regierung und ihres Premierministers Mossadegh. Der wollte die iranische Erdölindustrie verstaatlichen. 90 Prozent des in Europa gehandelten Öls stammten damals aus dem Iran. Großbritannien sah sein Monopol auf das iranische Öl bedroht. Zusammen mit den USA brachte Großbritannien Mossadegh durch einen präzise geplanten Putsch zu Fall.

ZUM HERUNTERLADEN
Bucheinband: Michael Lüders, "Wer den Wind sät" © C. H. Beck
936 KB

Leseprobe

Einige Seiten aus Michael Lüders‘ Buch „Wer den Wind sät“. Download (936 KB)

Dabei war Amerika Mossadeghs großes Vorbild, wie Lüders erzählt: „Er war ein Bewunderer gerade der amerikanischen Demokratie, namentlich von Abraham Lincoln. Das alles nützte ihm aber nichts, denn es galt als unbotmäßig, dass ein Staatschef in einem Land der dritten Welt sich anmaßt, politisch gegen westliche Wirtschaftsinteressen vorzugehen.“

60 Jahre später veröffentlichte die CIA Dokumente, die belegten, wie der Sturz Mossadeghs durch Großbritannien und die USA geplant wurde. Eine Erfolg versprechende Demokratie wurde zerschlagen und gegen die Diktatur des Schahs eingetauscht. Am 4. Juni 2009 räumte Präsident Obama in Kairo die Beteiligung am Putsch ein, als er sagte: „Mitten im Kalten Krieg spielten die Vereinigten Staaten eine Rolle beim Sturz einer demokratisch gewählten iranischen Regierung.“

Nahost-Experte und Autor Michael Lüders. © dpa picture alliance Fotograf: Anna Weise

Autor Michael Lüders, geboren 1959, studierte in Berlin und Damaskus und bereiste fast alle arabischen Länder. Der promovierte Islamwissenschaftler berät Politik und Wirtschaft.

Die USA waren Geburtshelfer des fanatischen Islams

Lüders zufolge hätte es ohne diesen Putsch gegen Mossadegh die Islamische Revolution im Iran 1979 nicht gegeben – „und diese Revolution wiederum ist Auslöser vieler anderer Probleme.“ Mit der Iranischen Revolution kam Ayatollah Khomeini an die Macht. Sein Gegenspieler: der irakische Diktator Saddam Hussein.

Hussein hätte den Krieg gegen Iran nach zwei Jahren verloren, schreibt Lüders, wäre er nicht noch sechs weitere Jahre massiv mit Geld und Waffen aus dem Westen unterstützt worden. Auch mit Giftgas aus Deutschland, wie Lüders berichtet: „Dieses Giftgas wurde gegen iranische Soldaten an der Front eingesetzt, aber auch gegen die Kurden in Halabdscha 1988.“ Das alles sei im Westen bekannt gewesen, wurde aber komplett ignoriert. „Erst nachdem Saddam Hussein 1990 den Tabubruch begangen hatte, die amerikanische Tankstelle Kuwait zu besetzen, hieß es auf einmal, Saddam Hussein sei ja wie ein zweiter Hitler.“

Westliche Außenpolitik folgt immer den Geschäftsinteressen

Geschäftsinteressen, Geo- und Machtpolitik – das seien de facto die Gründe für die Interventionen der USA im Nahen Osten, stellt Lüders fest. Amerikanische Politik folge immer den gleichen Grundmustern. „Diese Zusammenhänge benennen mag man nicht so gern. Das wäre verbunden mit Selbstkritik. Denn es stimmt nicht mit dem eigenen Selbstbild überein, wonach man stets für das Wahre, Gute und Schöne, für die Menschenrechte, für die westlichen Werte eintrete. Es ist leichter, diesen Terror aus dem Islam heraus zu erklären.“

Beispiel Afghanistan: Die USA unterstützten die Mudschaheddin und die Taliban, weil sie der Sowjetunion ihr „Vietnam-Desaster“ bescheren wollten. Dass sie damit islamistische Fundamentalisten mit Waffen und Know-how versorgen, ist für sie zweitrangig. „Was ist für die Weltgeschichte von größerer Bedeutung?“, fragte Jimmy Carters Sicherheitsberater Brzezinski in einem Interview: „Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjetreichs?“

Eine fatale Fehleinschätzung.

Der Westen finanzierte Osama Bin Laden

„Es hätte den 11. September 2001 wahrscheinlich nicht gegeben, hätten die Amerikaner nicht Osama Bin Laden über Jahre hinweg finanziert und bewaffnet – als einen der führenden Kämpfer gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan“, meint Michael Lüders.

2003 erfolgte der völkerrechtswidrige Einmarsch der USA in den Irak. Hussein wurde gestürzt, doch für die politische Zukunft Iraks hatten die USA offenbar keinen konkreten Plan, schreibt Lüders. Durch ihre Politik verschärften sie die Konflikte zwischen den religiösen und ethnischen Gruppen. Das Land versinkt im Chaos.

Einer der größten Fehler der Amerikaner sei es gewesen, nach dem Sturz von Saddam Hussein die Armee aufzulösen, die Geheimdienste und die Baath Partei, sagt der Nahost-Experte: „Damit waren über Nacht Hunderttausende Sunniten arbeitslos, die dann in den Untergrund gegangen sind und sich heute den Reihen des Islamischen Staats wiederfinden. Man hat gewissermaßen die Büchse der Pandora geöffnet, und jetzt ist man nicht mehr in der Lage, diese Geister, die man gerufen hat, zu kontrollieren.“

Keine Konzepte für den demokratischen Wiederaufbau

Der IS breitet sich aus – und die USA versuchen ihn mithilfe von Saudi-Arabien zu bekämpfen. Dabei unterscheidet sich der Wahhabismus, die saudische Staatsreligion, kaum von den Idealen des Islamischen Staats. Nachweislich zahlen saudische Stiftungen und Privatleute viel Geld an den IS.

Für viele Muslime im Nahen Osten sei die Doppelmoral des Westens nur schwer zu ertragen, sagt Lüders: „Diese Menschen hoffen, dass der Westen etwas für die Demokratie tun möge, das ist aber bislang nie geschehen. Gleichzeitig müssen sie sich mit ihren furchtbaren Diktatoren arrangieren. Sie leben also als intelligente Muslime zwischen dem Hammer westlicher Heuchelei und dem Amboss unfähliger arabischer Regime, die nur daran interessiert sind, ihre Macht zu verteidigen.“

Wer den Wind sät, wird Sturm ernten … Michael Lüders hat ein kenntnisreiches, pointiertes und packendes Buch geschrieben. Eines, das fehlte.

http://www.ndr.de/kultur/buch/Michael-Lueders-Wer-den-Wind-saet,lueders128.htm

Advertisements

Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s