„Seit den späten Sechzigerjahren sind rund 500 Millionen Menschen verhungert!“ Bis 2050 könnten neun Milliarden Menschen auf der Erde leben – es braucht nicht weniger als eine globale Revolution, um den Ernährungskollaps abzuwenden und endlich gemäß der Werte der Menschenrechtserklärung zu handeln. Weniger als die Hälfte aller derzeit hergestellten Nahrungsmittel landet auf dem Teller. Der größere Teil wird entsorgt, zu Sprit verarbeitet oder an Nutztiere verfüttert. Experten zweifeln, ob eine solche Revolution gelingen kann – zumindest rechtzeitig, um die Gefahr verheerender Hungersnöte abzuwenden.

Drohende Hungersnöte: „Wir brauchen eine neue Landwirtschaftsrevolution“

Aus San José berichtet

Dorf Bundu bei Ranchi (Indien): Menschen suchen nach Essbarem an einer Straße, an der zuvor Lkw in Brand gesteckt worden waren Zur Großansicht

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Dorf Bundu bei Ranchi (Indien): Menschen suchen nach Essbarem an einer Straße, an der zuvor Lkw in Brand gesteckt worden waren

Bis 2050 könnten neun Milliarden Menschen auf der Erde leben – aber werden auch alle satt? Experten warnen: Es brauche nicht weniger als eine globale Revolution, um den Ernährungskollaps abzuwenden.

Vielleicht behält Paul R. Ehrlich doch noch recht. 1968 sagte er in seinem Buch „Die Bevölkerungsbombe“ voraus, dass in den nächsten Jahren die Sterblichkeit weltweit rasant steigen werde; Hungersnöte würden Hunderte Millionen dahinraffen. Doch der Umweltbiologe von der kalifornischen Stanford University irrte: Die Sterblichkeitsrate stieg nicht, sie sank.

Doch Ehrlich, inzwischen 82 Jahre alt, beruhigt das keineswegs. „Wir sind alle nur hier, weil es vor 10.000 bis 12.000 Jahren die landwirtschaftliche Revolution gegeben hat“, sagte Ehrlich am Sonntag bei der Jahrestagung des US-Forscherverbands AAAS im kalifornischen San José. „Wenn wir die Welt auch in den nächsten 30 bis 40 Jahren noch ernähren wollen, brauchen wir wieder eine Revolution, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt.“Allerdings: Weder Ehrlich noch die vier anderen Experten, mit denen er an diesem Tag auf dem Podium sitzt, scheinen zu glauben, dass eine solche Revolution gelingen kann – zumindest nicht rechtzeitig, um die Gefahr verheerender Hungersnöte abzuwenden.

Erntekiller Dürre

„In den nächsten drei bis vier Jahrzehnten wird sich die Nachfrage nach Getreide verdoppeln“, sagte James Gerber von der University of Minnesota. „Sie zu befriedigen, ohne die Umwelt zugrunde zu richten, wird eine gewaltige Herausforderung.“ Derzeit gingen die globalen Getreidereserven immer weiter zurück. Auch konzentriere sich die Getreideproduktion immer stärker auf einzelne, riesige Flächen – was die Anfälligkeit für Wetterextreme, Schädlinge und soziale Unruhen vergrößere.

Sojabohnenernte in Brasilien (März 2012): Seit den Sechzigerjahren sind 500 Millionen Menschen verhungertZur Großansicht

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Sojabohnenernte in Brasilien (März 2012): Seit den Sechzigerjahren sind 500 Millionen Menschen verhungert

Der Klimawandel drohe die Lage zusätzlich zu verschärfen, warnte Kenneth Kunkel von der US-Wetterbehörde NOAA – etwa im Mittleren Westen, der Kornkammer der USA. Klimaprognosen legten nahe, dass Dürren und Überschwemmungen dort in den kommenden Jahrzehnten immer heftiger ausfallen werden. Schon jetzt leidet der Südwesten der USA unter einer rekordverdächtigen, seit Jahren anhaltenden Trockenheit.Auch der auf Satellitenbeobachtungen spezialisierte NOAA-Forscher Felix Kogan sieht in Dürren die größte Gefahr. „In acht der bisherigen 15 Jahre dieses Jahrhunderts wurden weltweit weniger Lebensmittel produziert als verbraucht. Der Grund dafür waren vor allem Dürren.“

Jerry Hatfield vom US-Landwirtschaftsministerium äußert sich ähnlich. Laut dem aktuellen National Climate Assessment, dem Klimabericht der US-Regierung, könne sich die Landwirtschaft in den USA noch etwa bis zum Jahr 2050 an die veränderten Wetterbedingungen anpassen. „Dann werden die Klimaextreme so dramatisch, dass die Produktion stark gestört wird“, sagt Hatfield. Zumal die Erwärmung nicht nur Unwetter fördere, sondern auch Unkraut und Schädlinge besser gedeihen lasse.

Hungersnot in Indien: Kinder in einem Flüchtlingswohnheim nahe Bilasipara (Assam) bekommen ein Mittagessen Zur Großansicht

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Hungersnot in Indien: Kinder in einem Flüchtlingswohnheim nahe Bilasipara (Assam) bekommen ein Mittagessen

Zugleich wächst die Weltbevölkerung schnell. Um sie zu ernähren, „müssen wir in den Jahren 2000 bis 2050 ungefähr so viel Nahrung produzieren wie in den 500 Jahren davor“, sagt Hatfield.Zwar betonen Forscher immer wieder, dass es theoretisch durchaus möglich sei, zehn Milliarden Menschen oder sogar noch mehr zu ernähren. Allerdings landet weniger als die Hälfte aller derzeit hergestellten Nahrungsmittel auf dem Teller. Der größere Teil wird entsorgt, zu Sprit verarbeitet oder an Nutztiere verfüttert.

Die Folge: Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist unter- oder mangelernährt. „Seit den späten Sechzigerjahren sind rund 500 Millionen Menschen verhungert“, sagt Ehrlich. „Allein in den USA gibt es 10 bis 20 Millionen unterernährte Kinder. Die Reichen betrifft das nicht. Aber in vielen Teilen der Welt verhungern in diesem Moment Menschen.“Was tun? Einige Maßnahmen könnten nach Ansicht der Experten den Bevölkerungskollaps verhindern helfen:

  • Den Speiseplan ändern – vor allem: weniger Fleisch essen, dessen Produktion ungeheure Wassermengen verschlingt und große Mengen Treibhausgase freisetzt. „Das würde sowohl der Umwelt als auch den Menschen enorm guttun“, sagt Gerber. Allerdings geht der Trend derzeit in die entgegengesetzte Richtung, da insbesondere in bevölkerungsreichen Schwellenländern der Lebensstandard steigt – und damit auch der Fleischkonsum.
  • Die Effizienz der Nahrungsmittelproduktion erhöhen. „Es ist entscheidend, was wir aus unseren Ressourcen herausholen“, sagt Hatfield. Hier könnten auch genetisch veränderte Getreidesorten eine wichtige Rolle spielen.
  • Die Treibhausgasemissionen zügig senken. „Es gibt viele Möglichkeiten, die uns nicht allzu wehtun würden.“ Das Klima verändere sich so schnell, dass es schon bald außerhalb dessen sei, was die Menschheit bislang erlebt habe. „Wir müssen mehr Zeit gewinnen, um zu entscheiden, was wir tun können“, so Kunkel.
  • Die Erdbeobachtung verbessern. „Wir brauchen dafür ein globales Satellitensystem“, sagt Kogan. So könne man etwa die Vorwarnzeit bei Dürren erhöhen und deren Folgen dämpfen.

Das Problem – darin sind sich die Experten einig – ist, dass die Zeit für derartig tiefgreifende Veränderungen äußerst knapp ist. „Wir müssen einen gigantischen Wandel auf dem gesamten Planeten hinbekommen“, sagt Ehrlich. „Wenn wir dafür tausend Jahre Zeit hätten, wäre ich entspannt. Aber wir haben zehn, vielleicht 20 Jahre.“

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/lebensmittel-produktion-forscher-warnen-vor-hungersnoeten-a-1018633.html

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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