Mit Howard Zinn die USA und ihre Außenpolitik besser verstehen!

Howard Zinn

Howard Zinn (Februar 2004)

Howard Zinn (* 24. August 1922 in Brooklyn, New York City; † 27. Januar 2010[1] in Santa Monica, Kalifornien) war ein einflussreicher US-amerikanischer Historiker,Politikwissenschaftler und emeritierter Universitätsprofessor der Boston University.

Den Schwerpunkt seiner Geschichtsforschung bildeten die Bürgerrechts- und Friedensbewegungen. Als Praktiker der Geschichte von unten bot Zinn eine Revision der amerikanischen Geschichtsschreibung. Sein Buch A People’s History of the United States, das in einer Auflage von mehr als einer Million erschienen ist, versucht die amerikanische Geschichte jeweils aus der Perspektive von sonst in der Geschichtsschreibung üblicherweise wenig beachteten Gruppen, darunter auch machtlosen „Opfern“, darzulegen.

Zinn war auch ein entschiedener Kritiker der Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Er war in der Bürgerrechtsbewegung und Friedensbewegung aktiv und wurde neben Noam Chomsky zu einer der bekanntesten Figuren der amerikanischen Linken. Zinn schreibt: „Der Ausdruck ‚gerechter Krieg‘ ist in sich widersprüchlich. Krieg ist an sich ungerecht, und die große Herausforderung unserer Zeit ist, mit dem Bösen, der Tyrannei und der Unterdrückung zurechtzukommen, ohne eine große Anzahl von Menschen zu töten.“

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zinn wuchs in einer Arbeiterfamilie von jüdischen Immigranten in Brooklyn auf, arbeitete auf den Werften in Brooklyn und flog Bombeneinsätze in Europa während des Zweiten Weltkriegs. Eine Erfahrung, die, auch wenn Zinn in dem Krieg aufgrund des Kampfes gegen die Faschisten „einen gewissen moralischen Kern“ sah[2], maßgebend für seine Opposition gegen Krieg wurde. Zinn war ein B17-Bombenschütze in der 490. Bomb Group. Im April 1945 nahm er an der Napalm-Bombardierung von Royan an der französischen Atlantikküste teil, das noch immer von den deutschen Truppen besetzt war. Neun Jahre später besuchte Zinn Royan, studierte dort Dokumente, interviewte Einwohner und schrieb darüber einen Bericht, der in seinem Buch The Politics of History veröffentlicht wurde und auch in The Zinn Reader enthalten ist.

Nach dem Krieg besuchte Zinn mit einem GI-Stipendium die New York University, schloss 1951 mit einem B.A. ab und erwarb an der Columbia University im Jahr 1952 einen Magisterabschluss in Geschichte (Nebenfach: Politikwissenschaft). 1958 folgte die Promotion ebendort.

Seine Dissertation LaGuardia in Congress war eine Studie über Fiorello LaGuardias Karriere im Kongress. Sie schildert LaGuardia vorteilhaft; er habe als „das Gewissen der zwanziger Jahre“ für die Verantwortung des Staates, für das Recht auf Streik, und für die Umverteilung des Reichtums durch Steuern gestritten. „Sein spezifisches Gesetzgebungsprogramm“, schrieb Zinn, „war eine erstaunlich akkurate Voraussicht desNew Deal.“ Sie wurde von der Cornell University Press für die American Historical Association veröffentlicht.

1956 wurde Zinn Dekan des Department of History and Social Sciences am Spelman College (heute Atlanta University Center, Spelman College), einer Hochschule für schwarze Frauen in Atlanta, wo er am Civil Rights Movement teilnahm. Zinn beriet das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC). Über seine Erfahrungen am Spelman College sagt Zinn: „Diese sieben Jahre am Spelman College waren wahrscheinlich die interessantesten, aufregendsten Jahre, in denen ich am meisten gelernt habe. Ich lernte mehr von meinen Studentinnen als meine Studentinnen von mir gelernt haben.“[3]

Zinn arbeitete in Spelman mit dem Historiker Staughton Lynd zusammen und wurde zum Mentor für junge Aktivisten wie Alice Walker und Marian Wright Edelman. Obwohl Professor auf Lebenszeit, wurde Zinn 1963 gefeuert, nachdem er Partei für einige Studenten ergriffen hatte, die den traditionellen Ehrgeiz des Spelman College, „junge Damen“ hervor zu bringen, in Frage stellten, als Spelmans Studentinnen, wie Zinn in einem Artikel in The Nation schrieb, eher in einer picket line oder im Gefängnis zu finden waren, weil sie sich an den Bemühungen, die Segregation zu Fall zu bringen, beteiligt hatten. Zinn hat seine Jahre am Spelman College ausführlich in seiner Autobiographie, You Can’t Be Neutral on a Moving Train: A Personal History of Our Times dargestellt.

Laut den im Juli 2010 vom FBI aufgrund des Freedom of Information Acts herausgegebenen Akten wurde Zinn während der McCarthy-Ära als angebliches Mitglied der Kommunistischen Partei denunziert, wofür aber das FBI 1964 bei einer Überprüfung anhand seiner Informanten in der Partei keinen Hinweis fand. Das FBI versuchte ihn 1953 anzuwerben, Zinn erklärte den Agenten, dass er kein Mitglied der Partei sei, und lehnte es ab, Informant zu werden. Das FBI, angewiesen von J. Edgar Hoover, beobachtete ihn laut den Akten daraufhin weiter und ordnete Zinn unter anderem aufgrund seines Einflusses auf Martin Luther King, seiner Kritik am Vietnamkrieg und seinen kritischen Artikeln zum FBI als hohe Sicherheitsgefährdung ein – eine Kategorie, die im Falle eines Ausnahmezustandes die Verhaftung von Zinn erlaubt hätte. 1974 wurde die Akte geschlossen.[4][5]

1963–64, in einem Jahr, in dem er nicht unterrichtete, schrieb Zinn SNCC: The New Abolitionists und The Southern Mystique. 1964 wurde er Mitglied der Fakultät der Boston University wo er bis 1988 Geschichte und civil liberties unterrichtete. Er war einer der führenden Kritiker des Vietnamkriegs. Zinns diplomatischer Besuch in Hanoi 1968 verhalf zur ersten Freilassung von amerikanischen Kriegsgefangenen. Daniel Ellsberg vertraute die „Pentagon-Papiere“ Zinn (und anderen) an, bevor sie schließlich in der New York Times veröffentlicht wurden.

Als Experte in Ellsbergs Strafprozess vorgeladen, wurde Zinn gebeten, der Jury die Geschichte des US-amerikanischen Engagements in Vietnam seit dem Zweiten Weltkrieg bis 1963 zu erklären. Zinn erörterte diese Geschichte mehrere Stunden lang. Später reflektierte er seine Zeit vor der Jury:

„Ich erklärte, dass es in den Papieren nichts militärisch bedeutsames gab, was benützt werden könnte, um der Verteidigung der USA zu schaden, dass die offengelegte Information peinlich für die Regierung war, weil sie zeigte, in den internen Memoranden der Regierung selbst, wie sie die amerikanische Öffentlichkeit belogen hatte […]. Die Geheimnisse, die durch die Pentagon Papers offengelegt wurden, mochten unangenehm für Politiker sein oder den Profiten von Firmen schaden, die Zinn, Gummi und Öl von weit entfernten Orten wollten, aber das war nicht dasselbe, wie der Nation, dem Volk zu schaden.“

Howard Zinn: You Can’t Be Neutral on a Moving Train: A Personal History of Our Times. 1994, S. 161.

Ellsberg wurde freigesprochen.

Howard Zinn war zuletzt Professor emeritus der Politikwissenschaft an der Boston University. Er lebte im Stadtteil Auburndale von Newton (Massachusetts) mit seiner Frau Roslyn. Ihre Kinder sind Myla und Jeff.

Howard Zinn erlag am 27. Januar 2010 einem Herzinfarkt im Laufe einer Urlaubsreise mit seiner Familie in Santa Monica, Kalifornien.

Zinns Autobiographie You Can’t Be Neutral on a Moving Train: A Personal History of Our Times wurde 2004 verfilmt und ist auf DVD erscheinen. Zinn hat 1991 den Thomas Merton Award, 1998 den Eugene V. DebsAward und den Lannan Literary Award, sowie 1999 den Upton Sinclair Award, erhalten. 2006 erhielt er den Haven’s Center Award for Lifetime Contribution to Critical Scholarship. Am 14. April 2010, knapp drei Monate nach seinem Tod, wurde er posthum mit dem The Ridenhour Courage Prize ausgezeichnet.[6] Den Preis nahm stellvertretend sein Sohn Jeff Zinn entgegen.

A People’s History[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bekannteste Werk Zinns ist die umfangreiche A People’s History of the United States (auf Deutsch erschienen als „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“), die 1980 veröffentlicht wurde und seit 2007 in deutscher Übersetzung vorliegt. Darin schildert er die Geschichte der USA aus der Perspektive der Menschen außerhalb des politischen und ökonomischen Establishments: Ureinwohnern, Sklaven, Arbeitern, Frauen, Schwarzen und anderen, deren Kämpfe oft weder aufgezeichnet noch anerkannt werden. A People’s History wurde ursprünglich ohne größere Werbung und nur in kleiner Auflage (4.000-5.000 Exemplare) herausgegeben, entwickelte sich aufgrund der Weiterempfehlungen der Leser jedoch zu einem Bestseller.[7] Das Buch wird heute Schülern der amerikanischen High Schools zur Lektüre empfohlen und als Lehrbuch an Colleges verwendet.

Der Schauspieler Matt Damon, der in der Nachbarschaft von Zinn aufwuchs, schloss einen Verweis auf A People’s History in seinen Film Good Will Hunting ein und nahm später eine Hörbuchversion des Buches auf.

Im Frühling 2003 fand eine dramatische Lesung in der 92nd Street YMHA in New York City statt, um den Verkauf des 1.000.000sten Exemplars zu feiern. An der Lesung nahmen Alice Walker, Marisa Tomei, Myla Pitt, Alfre Woodard, Kurt Vonnegut, Harris Yulin, Andre Gregory, Danny Glover, James Earl Jones, der Schauspieler und Produzent Jeff Zinn und Howard Zinn (als Erzähler) teil.[8] Das Resultat wurde als The People Speak: American Voices, Some Famous, Some Little Known veröffentlicht.

2004 veröffentlichte Zinn Voices of A People’s History of the United States mit Anthony Arnove. Voices erweiterte das Konzept und bietet eine große Sammlung dissidenter Stimmen. Das Buch ist als Begleitband zuA People’s History gedacht und hat eine parallele Struktur.

https://de.wikipedia.org/wiki/Howard_Zinn

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From 1956 through 1963, Zinn chaired the Department of History and social sciences at Spelman College. He …

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Howard Zinn (August 24, 1922 — January 27, 2010) was an American historian, author, playwright, and social …

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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