Mit der Occupy-Bewegung und aktuell mit dem Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders hat sich das Blatt gewendet. Hoffnung für die Welt: Totgesagt, aber ziemlich lebendig – die amerikanische Linke: Aktivisten der „New Hampshire Rebellion“ ein großes weißes Zelt aufgebaut. Manche tragen Uniformen aus der Zeit der Gründerväter. Dan Weeks führt die Rebellen aus dem Neuengland-Staat an. Sie marschieren durch die USA und machen auf die Verflechtung von Geld und Politik aufmerksam. Aktivisten der „New Hampshire Rebellion“ ein großes weißes Zelt aufgebaut. Manche tragen Uniformen aus der Zeit der Gründerväter. Dan Weeks führt die Rebellen aus dem Neuengland-Staat an. Sie marschieren durch die USA und machen auf die Verflechtung von Geld und Politik aufmerksam. Dan Weeks: „Das ist mehr als nur eine linke Bewegung. Es handelt sich um eine Demokratie-Bewegung, die den Einfluss des großen Geldes auf unsere Politik beenden will. Dieser Zusammenhang hat unser Regierungssystem korrumpiert. Wir haben hohe Ideale als Nation, aber wir haben uns von ihnen entfernt, weil unser Wahlsystem vom Geld der Milliardäre abhängt. Sie dominieren in den Medien. Die Stimme der einfachen Leute wird ausgeschlossen.“

Der Senator aus Vermont, Bernie Sanders, Präsidentschaftskandidat der Domokraten, bei einer Wahlveranstaltung in Chicago, Illinois, USA. (Bild: dpa)

So 27.03.2016 | 08:24 | Weltsichten

Totgesagt, aber ziemlich lebendig – die amerikanische Linke

Sie galt als Phantom, als ausgestorben: Die amerikanische Linke. Im frühen 20. Jahrhundert und nach dem 2. Weltkrieg führten Wellen der „red scare“, der roten Angst, fast zum Verschwinden mächtiger und oft sozialistischer Arbeiterbewegungen. Im modernen Amerika scheint für politische Haltungen links der Mitte wenig, rechts dagegen viel Platz zu sein.

Mit der Occupy-Bewegung und aktuell mit dem Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders hat sich das Blatt gewendet.  Tausende junge Amerikaner besuchen seine Wahlkampf-Veranstaltungen und bejubeln den über 70-Jährigen, der Front gegen die ungerechte Verteilung des Reichtums, die Wall Street, die rücksichtslosen Umweltverschmutzer macht. Eine Reportage von Andreas Horchler.

Manchester, New Hampshire, Februar 2016. Im Kongresszentrum gehen Präsidentschaftsbewerber und Medienvertreter ein und aus, nebenan in der Verizon Arena  verkündet  Donald Trump, dass er Amerika wieder groß machen wird. Gegenüber im Veterans Memorial Park haben Aktivisten der „New Hampshire Rebellion“ ein großes weißes Zelt aufgebaut. Manche tragen Uniformen aus der Zeit der Gründerväter.

Dan Weeks führt die Rebellen aus dem Neuengland-Staat an. Sie marschieren durch die USA und machen auf die Verflechtung von Geld und Politik aufmerksam.

Dan Weeks: Das ist mehr als nur eine linke Bewegung. Es handelt sich um eine Demokratie-Bewegung, die den Einfluss des großen Geldes auf unsere Politik beenden will. Dieser Zusammenhang  hat unser Regierungssystem korrumpiert. Wir haben hohe Ideale als Nation, aber wir haben uns von ihnen entfernt, weil unser Wahlsystem vom Geld der Milliardäre abhängt. Sie dominieren in den Medien. Die Stimme der einfachen Leute wird ausgeschlossen.“

Ein buntes Volk hört zu. Manche bezeichnen sich als Sozialisten, manche wollen Drogen legalisieren, einige die Todesstrafe abschaffen, andere fordern entschiedene Maßnahmen gegen den Klimawandel oder ein Ende des Rassismus, alle wollen eine Demokratie, in der die Stimme des Einzelnen gehört wird, in der sich die Politik um die Belange aller Menschen kümmert.

Überraschungserfolg für Sanders

Das Zelt ist nur ein Seitenschauplatz. Das Spektakel: Die Vorwahlen in dem Neuengland-Staat. Bei den Demokraten gewinnt ein Mann, der bislang belächelt wurde. Bernie Sanders, unabhängiger Senator aus dem benachbarten Vermont. Schon in Iowa war er Hillary Clinton nur knapp unterlegen. Bis vor kurzem noch hatten alle Umfragen ein klares Ergebnis gehabt. Sanders hat keine Chance. Aber der 74-jährige mit weißen Strubbelhaaren hat vor allem die jungen Leute in New Hampshire begeistert und sich so gegen Hillary Clinton durchgesetzt.

Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen, der einen großen Teil seiner Familie im Holocaust verloren hat, bezeichnet sich als demokratischen Sozialisten. Seine Botschaft:

Bernie Sanders:Es ist nicht fair, wenn das oberste Zehntel von einem Prozent der Leute heute so viel besitzt wie die 90% unten.“

Am Wahlabend verkündet er: „Was letzte Woche in Iowa begann, was die Wähler heute in New Hampshire bestätigt haben, ist nicht weniger als der Anfang einer politischen Revolution.“

Revolution. Ein Wort, das in den Vereinigten Staaten nur in einem einzigen Zusammenhang einen guten Klang hat. Dann, wenn es um die Unabhängigkeitserklärung von 1776 und den folgenden Unabhängigkeitskrieg geht.

Auto mit vielen Aufklebern in favour of Bernie [WDR/Horchler]

Die amerikanische Allergie gegen links

Linke Positionen haben es schwer in Amerika. Zweimal wurden die Bürger auf die „Red Scare“, die rote Gefahr eingeschworen.

Nach der russischen Revolution 1917 schlug die US-Regierung Streiks blutig nieder. Viele der Rädelsführer, die meisten von ihnen Immigranten aus europäischen Ländern kamen ums Leben. Politik, Zeitungen und Wirtschaft schürten die Hysterie gegen links. Kommunen mit gemeinschaftlichen Lebensformen, sozialistisches und anarchistisches Gedankengut verblassten. Geschichtswissenschaftler Tyler Anbinder von der George Washington Universität beschreibt eine ausgeprägte Allergie der Amerikaner gegen links.

Tyler Anbinder:Die Unterdrückung von Sozialisten und Sozialismus ist ganz sicher ein wesentlicher Faktor, der zur Zerschlagung der sozialistischen Partei und dem Sozialismus als Teil der Arbeiterbewegung  führte. Theoretisch schützt die US-Verfassung die freie politische Meinungsäußerung. Aber die Amerikaner haben sich dafür entschieden, das sozialistische Reden nicht akzeptabel sind den Redner ins Gefängnis bringen. Das macht es den Sozialisten hier natürlich schwer, so erfolgreich zu sein wie in Europa. Diese Art der Unterdrückung ist fast so folgenreich wie die Maßnahmen gegen sozialistische Gewerkschaften und Streiks. Dazu kommt, dass der Erfolg der moderaten Linken während des ‚New Deal‘ in den 1930er Jahren den Zustrom der Menschen zum Sozialismus abschneidet. Im Grunde ist es in den 1930ern so, dass der Sozialismus in den zurückliegenden 10 Jahren einen langen Tod gestorben ist. Das hatte mit der Ausrufung der ‚roten Gefahr“ in den 20er Jahren zu tun, als Sozialisten entweder ins Gefängnis wanderten oder ausgewiesen wurden.“

Erinnerungen an die McCarthy-Ära

Nach dem 2. Weltkrieg folgte die zweite ‚red scare‘, die Angst vor sozialistischen Einflüssen, Subversion und Zerstörung der amerikanischen Gesellschaft. Senator John McCarthy aus Wisconsin schürte die Angst und entfesselte eine regelrechte Jagd auf vermeintliche Kommunisten. Schauspieler, Musiker, Politiker und Militärs wurden „unamerikanischer Umtriebe“ bezichtigt. „Die rohe, raue, unangenehme Wahrheit ist, dass der Kommunismus auch 1954 noch ein Problem sein wird“, so McCarthy.

Trotz der antikommunistischen Stimmung im Land gingen die Methoden McCarthys vielen Senatoren zu weit. Sie klagten den Kommunistenjäger an, über die Stränge zu schlagen. Die McCarthy-Ära endete. Ein unrühmliches Kapitel der amerikanischen Geschichte. Die Furcht vor dem Sozialismus blieb. Der Einzelne ist wichtiger als die Gesellschaft

Linke Gedanken fanden Platz in vielen Nischen, aber kaum mehr im politischen Apparat Washingtons.

Neue Bürgerbewegungen: „Black Lives Matter“

Im August 1963 marschierten hunderttausende Menschen nach Washington, um die Rassentrennung zu beenden. Das Versprechen der Unabhängigkeitserklärung muss endlich eingelöst werden, forderte Martin Luther King in seiner Rede „I have a dream“. Alle Menschen sind gleich geschaffen.

Frauen kämpften für gleiche Bezahlung, Schwule und Lesben für Anerkennung, Gewerkschaften und Bürgerrechtsgruppen für 15 Dollar Mindestlohn, die Bewegung „Occupy Wall Street“ wandte sich gegen Banker und Unternehmensvorstände, die sich zügellos bereichern. „Wir sind die 99%“, skandierten die aufgebrachten Demonstranten.

Als in Ferguson, Missouri der 18-jährige Michael Brown von einem Polizisten erschossen wurde, bildete sich die Gruppe „Black lives Matter“. Die Aktivisten wandten sich gegen Rassismus und setzten sich für bessere Lebensbedingungen der Afroamerikaner ein.

Umweltaktivisten protestierten gegen die Praktiken der Kohle-Konzerne, deren Förderpraxis inzwischen darin besteht, Bergkuppen in Naturschutzgebieten von Kentucky, Virginia, West Virginia oder Tennessee einfach wegzusprengen.

Bernie Sanders [WDR/Horchler]
Bernie Sanders

Sanders – ein Mann aus Vermont

Links der Mitte bietet Amerika Interessensgruppen, die für mehr Gerechtigkeit, ein soziales Miteinander, Abrüstung, Schutz für Minderheiten und die Umwelt kämpfen.

Bernie Sanders´ Nische ist Vermont. Ein kleiner Bundesstaat in Neuengland. Burlington ist mit etwa 40.000 Einwohnern die größte Stadt. Kanada ist nur ein paar Kilometer entfernt, der mächtige Lake Champlain markiert die Grenze zum Bundesstaat New York. In Vermont gibt es kleine Farmen, übriggebliebene Hippies, politische Querdenker.

Bernie Sanders wuchs in Brooklyn auf, studierte in Chicago und schloss sich der Antikriegsbewegung Liberty Union an. In den 1970er Jahren bewarb sich der Mann mit dem breiten New Yorker Akzent immer wieder um politische Ämter in Vermont, wurde 1981 Bürgermeister von Burlington, dann Kongressabgeordneter und schließlich Senator.

Lake Champlain in Vermont [WDR/Horchler]

Glaubwürdig und direkt

Sanders-Biograph Harry Jaffe arbeitete als Journalist in Vermont. Die politische Karriere des linken Politikers war für Jaffe nur deshalb möglich, weil sich Sanders um die Belange der Menschen kümmerte, entlegene Bauernhöfe besuchte, um von den Problemen der Landwirte zu hören, den Sorgen der Lehrer, den Nöten der Menschen mit kleinem Einkommen. Sanders wurde zur Marke. Der Kern: Seine Glaubwürdigkeit.

Harry Jaffe: „Er war nicht der Kongressabgeordnete Sanders, er war nicht Bürgermeister Sanders. Er war Bernie. Er war Bernie in Burlington, Bernie in St. Johnsbury, Bernie in Braddlebourough, Bernie in Manchester. Und jeder liebte Bernie.“

Bernie Central, das ist seit Mitte 2015 die Wahlkampfzentrale der Präsidentschaftskampagne des Senators. Pizzakartons, Wasserflaschen, junge Menschen an Telefonen, die in ganz Amerika um Spenden bitten.

Anders als bei anderen Kandidaten geben die US-Bürger 10, 20 Dollar. Der Senator verzichtet bewusst auf Großspender. Das macht Eindruck

Die Konzerne sollen höhere Steuern bezahlen, eine gesetzliche Krankenversicherung soll allen Amerikanern Gesundheitsversorgung bieten, die horrenden Gebühren für die Universitäten sollen zum Teil oder ganz wegfallen. Dieses Programm spricht junge Amerikaner an. Aber auch bei den Älteren findet Sanders Anklang. Besonders, weil er den Abschied Amerikas von der Rolle als Weltpolizist fordert. Cathy Richardson ist sogar nach Vermont gezogen, weil sie von der Haltung des Senators begeistert war.

Cathy Richardson:Er spricht mich an. Und wir sind im selben Alter. Er ist integer. Was mich wirklich gepackt hat, war sein Votum gegen den Krieg im Irak. So empfand ich damals auch. Wir lebten in New Jersey. Einer der vielen, vielen Gründe für uns, nach Vermont zu ziehen, war mein Wunsch, in einem Staat zu leben, dessen Senator die Courage hat, so etwas zu tun.“

Weiteres Wahlmapfmotiv für Bernie Sanders [WDR/Horchler]

Kleine und große Unterstützer

Miro Weinberger ist Demokrat und ein Nachfolger von Sanders als Bürgermeister von Burlington. Er verfolgt die Präsidentschaftskampagne seines Vorgängers mit großem Interesse. „Oh, natürlich hat er eine Chance, das ist ein enges Rennen. Alles ist möglich“, sagt Weinberger.

Und auch Ben Cohen ist ein Mann, der Sanders unterstützt, obwohl er viel mehr Abgaben bezahlen müsste, würde der Senator Präsident. Cohen ist einer von zwei Gründern der Eis-Marke Ben and Jerry´s.

Ben Cohen: „Ich bin vielleicht ein Teil dieses einen Prozents, aber was solls.  Auch wenn ich Teil des einen Prozents bin, kann ich mich doch trotzdem um Fairness, Gerechtigkeit und Chancengleichheit  sorgen. Das sind wohl die Werte, auf denen unser Land aufgebaut wurde.“

Das sehen auch die Anhänger von Sanders´ politischer Revolution so. Gerade in einem Wahlkampf der extremen Positionen fühlen sich viele Bürger von den Vorstellungen des Senators angesprochen. Donald Trump schürt die Ängste vor dem Islam, den Mittelamerikanern, den Andersdenkenden und verspricht, Amerika wieder groß zu machen.

Trump verspottet das Programm von Sanders: „Er möchte unser Land herschenken, Leute. Das werden wir nicht zulassen. Ich weiß nicht, wohin das mit Bernie führt. Wir wünschen ihm viel Glück. Wir machen Amerika wieder groß, aber wir machen es auf die althergebrachte Art und Weise. Wir werden China und Japan schlagen. Wir werden Mexiko im Handel schlagen. Wir werden alle diese Länder schlagen.“

„Die Gesellschaft bewegt sich nach links.“

Vincent Intondi ist Historiker in der Hauptstadt Washington. Er ist sicher: Der gesellschaftliche Wandel Amerikas ist im Gange. Während Donald Trump und seine republikanischen Mitbewerber konservative Programme von gestern propagieren, ist das Land längst viel liberaler geworden.

Vincent Intondi: „Bei den sozialen Themen, beim Kampf um die Wirtschaft, beim Klimawandel, bei Fragen der Rasse und des Geschlechts werden wir in diesem Land eine nachhaltige Bewegung nach links erleben. In den 60er Jahren gab es Staaten, in denen es illegal war, zwischen schwarz und weiß zu heiraten. In zehn Jahren werde ich meinen Studenten über eine Zeit berichten, in der es nicht legal war, einen Vertreter des gleichen Geschlechts zu heiraten. Sie werden dann sagen: Das ist verrückt! Also bewegen wir uns in diese Richtung.“

Hinzu kommt, dass die Abneigung gegen linke Positionen gerade bei jungen Amerikanern zurückgeht. Der inzwischen ausgeschiedene republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio schürte bei seinen Wahlkampfveranstaltungen zwar noch die Angst vor einem Sozialismus a la Bernie Sanders. Mit diesen Tiraden erreichte er allerdings nur die ohnehin konservativen Wähler und nur sehr wenige jüngere Menschen.

Sozialist oder Sozialdemokrat?

Die Wissenschaftlerin Emily Ekins arbeitet für den konservativen Think Tank Cato Institute in Washington. Sie studiert vor allem die politischen Vorlieben junger Amerikaner. Sanders ist kein Sozialist, sagt Ekins, eher ein Sozialdemokrat skandinavischen Zuschnitts.

Und die Berührungsängste der sogenannten „Millenials“ gegenüber sozialdemokratischen, sogar sozialistischen Inhalten sind verschwunden.

Emily Ekins:Die Definition von Sozialismus hat sich verändert. Das ist sehr wichtig. Während des kalten Krieges neigten die Amerikaner dazu, den Sozialismus mit der Sowjetunion in Verbindung zu bringen. Die Sowjetunion wurde als sehr gefährlich angesehen, als Bedrohung. So war es einfach, den Sozialismus abzulehnen. Die Ideologie wurde nicht nur mit Rationierung, Schlange stehen, schlechter Wirtschaftslage und schlechten Produkten in Verbindung gebracht, sondern auch mit Unterdrückung, Arbeitslagern, mit Maßnahmen gegen die Kirche und ihre Würdenträger. Es war also für viele Menschen sehr einfach, über die Sowjetunion, also auch den Sozialismus aufgebracht zu sein.

Nun ist der kalte Krieg zu Ende. Die jungen ‚Millenials‘ erinnern sich nicht an den kalten Krieg. Für sie ist dieser Zusammenhang zwischen der Sowjetunion und dem Sozialismus nicht vorhanden. Wenn sie an Sozialismus denken, haben sie eine sanftere, freundlichere Variante im Sinn. So wie in Skandinavien. Dort gibt es keinen Sozialismus, aber viele täuschen sich da. Also denken sie: Schau her, sie haben sozialistische  Regeln, aber sie haben auch Frieden. Keine Arbeitslager, keine politische Unterdrückung. Sie können frei sein… in Dänemark!“

Bernie Sanders hat bei den Vorwahlen einige Erfolge erzielen können, Mehrheiten in Bundesstaaten gewonnen, das ganze Land überrascht. Im Frühjahr zeichnete sich ab, dass die Euphorie der jungen Amerikaner für eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei wohl nicht reichen wird.

Hillary Clinton baute geschickt Elemente seiner Vorstellungen in ihre Wahlkampfreden ein, bezeichnete sich als eine progressive Politikerin, die in der Lage ist, Dinge in die Hand zu nehmen. Sanders hielt Kurs, auch als seine Chancen auf die Nominierung immer weiter schwanden.

Bernie, what this campaign is about? „In diesem Wahlkampf geht es nicht nur um die Wahl eines Präsidenten. Zugegeben, das ist ziemlich wichtig… aber es gibt etwas noch Wichtigeres. Es geht um einen Wandel Amerikas.“

„Die Konservativen rasten aus!“

Eine Veränderung, die zum Ärger konservativer Amerikaner schon stattfindet. Vincent Intondi: „Die alte, weiße Garde in diesem Land weiß: Sie wird im Jahr 2030 die Minderheit in diesem Land darstellen. Sie sehen die erste Lateinamerikanerin im obersten Gericht. Sie sehen den ersten schwarzen Präsidenten, drei wunderschöne Frauen im Weißen Haus, 11 Millionen undokumentierte Immigranten, die wählen wollen, eine junge Generation, die weniger rassistisch ist und der alten Ideologie nicht folgt.

Sie rasten aus! Sie haben Obama in der Hoffnung mit Schmutz beworfen, dass irgendetwas hängenbleibt. Sie wissen, dass sie die Macht für unbestimmte Zeit verloren haben. Das ist die Schlacht, die zurzeit gefochten wird.“

Die Außen und Sicherheitspolitik spielt nach Auffassung Intondis eine geringe Rolle für die jungen Amerikaner. Wie der kalte Krieg erscheint auch die atomare Bedrohung als wenig konkret. Amerikas Rolle als Supermacht erscheint ihnen weniger wichtig als eine gerechte Wirtschaft.

Feel the Bern, Wahlwerbung [Horchler/WDR]

Ein Jahr der extremen Positionen

Zu Hause in Vermont, in Michigan, in Oklahoma hat Sanders ein Heimspiel. Seine Botschaft der sozialen Gerechtigkeit wird auf Wahlkampfveranstaltungen von Songs über den demokratischen Sozialismus und minutenlangen „Bernie, Bernie“-Rufen begleitet. Bei den Vorwahlen in Illinois verlor Sanders zwar gegen Hillary Clinton, aber 7 von 10 Wählern unter 45 stimmten für den Senator. Sie starten nach dem Studium in ein ungewisses Berufsleben. Meist mit vielen tausend Dollar College-Schulden. Sie sind gegen eine Einmischung Amerikas in Konflikte, deren Schauplätze weit entfernt sind. Sie wollen einen öffentlichen Nahverkehr, der diesen Namen verdient.

„Feel the Bern“ gibt es in Burlington auf T-Shirts, Tassen, Aufklebern mit dem Gesicht des 74-jährigen Präsidentschaftsbewerbers.

Könnte er das Präsidentenamt ausfüllen? Dieser Student zögert nicht. Ja!

So laut wie seine Unterstützer äußern sich die Gegner. Mehr Staat, mehr soziale Absicherung, mehr Gemeinschaftssinn. Dieser Donald Trump-Unterstützer warnt: „Schaut Euch die Sachen, die ihr wählt, genau an. Ich verstehe, dass die Welt wirklich unfair aussieht. Ihr seid so erzogen worden, dass Ihr das wirklich schlimm findet, aber es ist halt so: das Leben ist mies.“

Die Besten setzten sich durch, die Schwachen haben Pech gehabt.

2016 ist das Jahr der Extreme, der vermeintlichen und tatsächlichen politischen Außenseiter. Trump, Cruz und Sanders. Eric Johnson aus Alabama unterstütze sein ganzes Leben lang die republikanische Partei. In diesem Jahr weiß er nicht mehr, woran er ist.

Eric Johnson Kons: „Viele junge Leute unterstützen Bernie, weil sie vergessen haben, was Kommunismus und Sozialismus ist. Ich beginne darüber nachzudenken, dass wohl auch eine Menge konservative Republikaner Trump unterstützen, weil sie keine Ahnung haben, was ein echter Konservativer ist. “

„Wir sagen dem amerikanischen Volk die Wahrheit!“

Die Konservativen fürchten Donald Trump, die Demokraten Bernie Sanders.

Während sich der Immobilienunternehmer aus New York zunehmend gegen das Parteiestablishment durchsetzt, sorgen sich die Demokraten um den Erfolg von Sanders. Beide Parteien haben sich nach rechts bewegt, so der Befund von Vincent Intondi. Die rechte Tea Party, die evangelikalen Christen und jetzt Donald Trump haben die moderaten Konservativen das Fürchten gelehrt. Die Demokraten sind seit der Präsidentschaft Bill Clintons in die politische Mitte gerückt, haben Krieg geführt, keine Steuern erhöht, soziale Fürsorge zusammengestrichen. Progressive Amerikaner verstummten in ihrer Kritik, als Präsident Obama 2009 ins Weiße Haus kam. Er war ja einer von ihnen. Der erste schwarze Präsident, der hart vom politischen Gegner angegriffen wurde.

Linke Positionen nahm auch dieser Präsident selten ein. Dieser Zusammenhang ist nach Überzeugung von Harry Jaffe besonders für den Aufstieg Bernie Sanders´ verantwortlich. Für den Herbst wünschte er sich eine nie dagewesene Wahl.

 

Harry Jaffe Honest: „Sanders hat eine Stimme gefunden, die viele Amerikaner erreicht. Es wäre ein weltumspannendes Ereignis mit stündlicher Aktualisierung, käme es zu einer Wahl zwischen Bernie Sanders und Donald Trump. Was ich an einer solchen Auseinandersetzung unwiderstehlich fände, wäre die Tatsache, dass beide Populisten sind. Mit dem Unterschied, dass Sanders ein ehrlicher Populist ist.“

Auch wenn Umfragen vermuten lassen, dass Sanders Trump bei der Präsidentschaftswahl schlagen könnte. Wenig deutet darauf hin, dass es zu dieser Auseinandersetzung kommen wird. Das weiß auch Bernie Sanders.

Sein Biograph Harry Jaffe sagt klipp und klar. Er ist ein Kapitalist, der wie viele Amerikaner wahrnimmt: Das kapitalistische System ist entgleist. Man könnte auch jedes x-beliebige Klischee bemühen.

Wenige werden extrem reich, die Mittelklasse schrumpft, die sozialen Probleme wachsen. Bernie Sanders macht die Banken, die Konzerne, die Klasse der Milliardäre verantwortlich: „Wir machen etwas sehr Außergewöhnliches. Wir sagen dem amerikanischen Volk die Wahrheit. Und manchmal ist die Wahrheit kein Vergnügen.“

Wenig vergnüglich könnten auch die Aussichten für die amerikanische Linke sein. Bernie Sanders ist es gelungen, viele Gruppen mit ihren Anliegen zu begeistern. Studenten, Anhänger der Occupy-Bewegung, „Black lives Matter“- Aktivisten, Umweltschützer, Pazifisten. Begeisterung und Zahlen sind gleichermaßen eindrucksvoll. Sanders, der stets von „wir“ und selten von „ich“ spricht, hofft auf eine große Bewegung. Die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne linke Gruppen nach seinem Wahlkampf wieder ihrer Wege gehen, erscheint hoch. Trotzdem wird Amerika aufgrund der Demografie sein Gesicht verändern. Das Zeitalter der weißen, konservativen Protestanten geht zu Ende. Die jüngere Generation ist weniger ideologisch gebunden. Auch ohne einheitliche linke politische Bewegung spricht viel dafür, dass bei Themen von Selbstbestimmung über Umweltpolitik bis hin zur Immigration mittelfristig weniger konservativ angegangen werden.

Stand vom 27.03.2016

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/weltsichten/201603/10679.html

Advertisements

Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s