Jetzt werden die Flüchtlinge wohl wieder über das Mittelmeer kommen, denn die Fluchtursachen sind nicht überwunden: Krieg, Diktaturen, Perspektivlosigkeit, extreme Armut, globale Ungerechtigkeit, Auswirkungen des Klimawandels! Seit der Jahrtausendwende ertranken weit über 20.000 Menschen im Mittelmeer, 2015 waren es fast 3000. Ein noch größeres Massensterben von Flüchtlingen findet in der Sahara statt. Das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit geht von inzwischen 1 Millionen Toten aus!

Balkanroute geschlossen:

Zurück zur gefährlicheren Mittelmeerroute

schlauchboot-mittelmeer

 

KIM SON HOANG 28. März 2016

Syrer und Afghanen könnten über Nordostafrika ausweichen. Dort warten bereits hunderttausende Migranten aus der Subsahara auf die Überfahrt 200.000, schätzten europäische Geheimdienste vor etwa einem Monat. 500.000, gab EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini vor zwei Wochen zu Protokoll. Schließlich nahm Frankreichs Innenminister Jean-Yves Le Drian vergangenen Donnerstag gar die Zahl 800.000 in den Mund. Sie alle sprechen von der Anzahl jener Migranten, die in Libyen auf besseres Wetter warten, um dann die Fahrt übers Mittelmeer nach Europa zu wagen. Bei diesen Zahlen, so gewaltig sie allein schon sind, darf nicht vergessen werden: Die von mehreren Seiten erwartete Verschiebung der Flüchtlingsbewegungen von der nun geschlossenen Balkanroute über Griechenland hin zur zentralen Mittelmeerroute hat noch gar nicht stattgefunden.

Die genannten Zahlen über Libyen können vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR oder der Internationalen Organisation für Migration (IOM) nicht bestätigt werden, dafür sei die Lage dort zu unübersichtlich. Fakt sei aber, dass die Ankünfte in Italien seit Wochen wieder ansteigen – wenn auch noch in vergleichsweise bescheidenem Ausmaß (siehe Grafik). Dabei stammen die meisten laut William Spindler aus dem subsaharischen Afrika. Syrer, Iraker und Afghanen, sagt der für Europa zuständige UNHCR-Sprecher zum STANDARD, „sind nicht einmal in den Top Ten.“ Noch nicht. Die Erfahrung zeige, so Flavio Di Giacomo von IOM, „schließt man eine Route, öffnet sich automatisch eine andere – und die ist meist gefährlicher“. Was auf die zentrale Mittelmeerroute aufgrund des wesentlich längeren Seewegs zutrifft. Natürlich wird auch über andere Alternativen spekuliert – über Bulgarien oder über Albanien -, und legt man sich schon vorab auf eine Route fest, so sei man zuletzt immer wieder überrascht worden. Vorteile in Nordostafrika Wirft man aber einen Blick zurück, so hätten viele Syrer, Iraker und Afghanen vor etwa einem Jahr, also vor der Öffnung der Balkanroute, bevorzugt den Weg über Libyen gesucht. Außerdem, so Expertin Tuesday Reitano vom internationalen Netzwerk Global Initiative against Transnational Organized Crime, bestehen in Nordostafrika im Gegensatz zu anderen Routen bereits seit Jahren eingespielte Schlepperstrukturen. Damit rechnen auch im Mittelmeer aktive Hilfsinitiativen. Sea Watch etwa, ein deutsches Privatprojekt, wird ab Anfang April wieder mit einem Rettungsschiff, der Sea Watch 2 mit zwölfköpfiger Crew, vor Libyen auf und ab fahren. „Wir gehen davon aus, dass erneut viele Syrer, Iraker und Afghanen diese Route nehmen werden“, sagt Ruben Neugebauer von Sea Watch, das laut eigener Aussage 2015 etwa 2000 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute gerettet hat. Um auf die Verschiebung von Flüchtlingsrouten kurzfristig reagieren zu können, habe man die etwas kleinere Sea Watch 1 in der Hinterhand. Auf hoher See werden Flüchtlingsboote aber nicht nur auf hilfsbereite Schiffe treffen, sondern auch auf jene, die Schleppern den Kampf angesagt haben. Neben Mission Triton der EU-Grenzschutzagentur Frontex hatte die Europäische Union im Juni 2015 auch Mission Sophia ins Leben gerufen – einen Militäreinsatz, an dem Streitkräfte von 14 Staaten teilnehmen und der die Zerschlagung des Schlepperwesens im Mittelmeer zum Ziel hat. Doch, und da wären wir wieder bei Frankreichs Innenminister Le Drian, der das in schöner Regelmäßigkeit bemängelt: In libyschen Hoheitsgewässern kann nicht eingegriffen werden, weil dazu ein UN-Mandat oder eine Erlaubnis der libyschen Regierung vonnöten wäre. Beides ist derzeit außer Reichweite. Von der Türkei nach Italien Vielleicht ist das aber bald auch gar nicht mehr notwendig. „Flüchtlinge könnten auch von Ägypten die Überfahrt wagen. Dort ist es sicherer als in Libyen“, sagt Di Giacomo von IOM. „Oder sie versuchen mit größeren Schiffen von der Türkei aus nach Italien zu gelangen.“ Von Letzterem berichtete am Wochenende auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Demnach steige die Nachfrage nach neuen Routen kontinuierlich. Das Schleppergeschäft über diesen Weg, so die Zeitung, soll in der ersten Aprilwoche in großem Stil aufgenommen werden. (Kim Son Hoang, 28.3.2016)

„Nach vorsichtigen Schätzungen sind über eine Million Menschen in der Sahara ums Leben gekommen“, sagt Entwicklungsstaatssekretär Thomas Silberhorn (CSU), fügt aber hinzu, dass es sehr schwierig sei, solche Zahlen zu verifizieren. „Wir können aber sicher davon ausgehen, dass sehr viel mehr Menschen auf dem Weg durch die Sahara gestorben sind als im Mittelmeer.“

http://www.hintergrund.de/201602093844/kurzmeldungen/aktuell1/mehr-tote-fluechtlinge-in-der-sahara-als-im-mittelmeer.html

Flüchtlinge:Das stille Sterben im Mittelmeer

Noch im Frühjahr war die Welt entsetzt von den vielen Toten im Mittelmeer. Seither hört man seltener von Unglücken. Sterben weniger Menschen?

Migranten in Libyen gestrandet und vollkommen schutzlos Expertin Tuesday Reitano im Interview: „EU-Türkei-Deal bringt Schleppern mehr Macht“ – derstandard.at/2000033753717/Balkanroute-geschlossen-Zurueck-zur-gefaehrlicheren-Mittelmeerroute

 

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-12/mittelmeer-tote-frontex-fluechtlinge

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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