Todesstrafen: 2015 – 1600 Menschen staatlich getötet, so viel wie nie in den vergangenen 25 Jahren v.a. in Pakistan, Saudi-Arabien und Iran und China – erstmals aber weltweit Staaten mit Todesstrafe in der Minderheit – vier weitere Länder haben sie abgeschafft (wobei die Todesstrafe durch die Drohnen ohne Verurteilung durch einfachen Entscheid der US-Regierung nicht berücksichtigt sind)

Jahresbericht zur Todesstrafe
Viel mehr Hinrichtungen in Pakistan
Weltweit gab es 2015 markant mehr Exekutionen als im Jahr zuvor, wie die neue Statistik von Amnesty International zeigt. In Pakistan stieg die Zahl der Hinrichtungen besonders sprunghaft.
  • von Ariane Lüthi
  • 6.4.2016, 18:09 Uhr
  • Im Juni 2015 wurde Aftab Bahadur in Lahore wegen Mordes exekutiert. Zum Zeitpunkt der Straftat im Jahr 1992 war er 15-jährig. (Bild: Mohsin Raza / Reuters)

Im Juni 2015 wurde Aftab Bahadur in Lahore wegen Mordes exekutiert. Zum Zeitpunkt der Straftat im Jahr 1992 war er 15-jährig. (Bild: Mohsin Raza / Reuters)

2015 wurden weltweit so viele Menschen hingerichtet wie seit 25 Jahren nicht mehr. Insgesamt sind 1634 Fälle dokumentiert. Die tatsächliche Zahl liege allerdings weit höher, wie Amnesty International in einem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht zur Todesstrafe erklärt.

Hinrichtungen wieder eingeführt

Pakistan ist ein bemerkenswertes Beispiel, hatte in dem Land doch einst ein Moratorium für die Todesstrafe gegolten. Dieses wurde nach dem Terroranschlag auf eine Schule in Peshawar im Dezember 2014 aufgehoben. War die Wiedereinführung der Todesstrafe ursprünglich nur für terroristische Verbrechen geplant, exekutiert die Regierung seit Februar 2015 auch wieder Häftlinge, die wegen anderer Straftaten verurteilt sind.

Laut Amnesty International wurden in Pakistan im vergangenen Jahr 326 Personen gehängt, die meisten davon wegen Mordes. Das ist die höchste Zahl, die die Menschenrechtsorganisation jemals für Pakistan dokumentiert hat. Das Land steht damit in der weltweiten Hinrichtungsstatistik an dritter Stelle, nach China und Iran.

Unfaire Verfahren

Besonders problematisch ist laut dem Bericht, dass 2015 in Pakistan auch mindestens fünf Personen hingerichtet wurden, die zum Zeitpunkt des Verbrechens noch minderjährig waren. Dies ist nach internationalem Recht verboten.

Ebenso kritisiert Amnesty International, dass Pakistan im Januar 2015 spezielle Militärtribunale errichtet hat, um Terrorismusverdächtige abzuurteilen. Diese Prozesse seien undurchsichtig und unfair, rügt die Menschenrechtsorganisation.

Anstieg auch in Iran und Saudiarabien

Ein vergleichbarer Anstieg von Hinrichtungen war 2015 nur in Iran (plus 31 Prozent gegenüber 2014) und Saudiarabien (plus 76 Prozent) zu beobachten.Iran vollzog so viele Hinrichtungen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Fast 1000 Häftlinge wurden exekutiert. Auch Saudiarabien erreichte mit 158 Todesstrafen ein trauriges Rekordniveau.

Keine Zahlen zu China

Der grosse dunkle Fleck in der Statistik bleibt weiterhin China. «Wir befürchten, dass im vergangenen Jahr erneut Tausende Menschen in China hingerichtet worden sind», sagt Patrick Walder von Amnesty International Schweiz. Damit listet die Menschenrechtsorganisation China an erster Stelle ihrer Hinrichtungsstatistik auf, basierend auf einer engen Beobachtung des Justizsystems. Offizielle Zahlen gibt es keine, da in China Daten zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis gelten.

Erstmals mehr Staaten ohne Todesstrafe

Gegenläufig zum Trend zu mehr Hinrichtungen haben 2015 vier Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Es handelt sich dabei um Fidschi, Madagaskar, Kongo-Kinshasa und Surinam. Damit sind die Länder, die Exekutionen gesetzlich erlauben, gemäss dem Jahresbericht erstmals in der Minderheit.

Eine andere positive Entwicklung wird aus den USA gemeldet. Dort wurden im vergangenen Jahr 28 Personen exekutiert, so wenige wie seit 1991 nicht mehr.

In Europa werden Hinrichtungen nur noch in Weissrussland praktiziert, wobei 2015 keine Urteile vollstreckt wurden. Die Schweiz hat die Todesstrafe 1942 definitiv abgeschafft.

GESCHICHTE

TODESSTRAFE

21:34

Die zynischen Regeln einer Hinrichtung

Hinrichtungen waren im Europa der frühen Neuzeit an der Tagesordnung. Aber es ging nicht nur um das „Seelenheil“ der Sünder. Mit der Todesstrafe entledigte man sich drängender sozialer Probleme.

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Autor: demokratischewerkstatt

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