«1200 Arbeiter sind bereits tot. Entweder macht der Scheich von Doha dieser Sklavenwirtschaft sofort ein Ende, oder die ILO wird dafür sorgen, dass 2022 keine Fussball-WM in Katar stattfindet.» Wenn die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle bis 2022 konstant hoch bleibt, dann werden über 7000 Arbeiterinnen und Arbeiter gestorben sein, bevor der erste WM-Ball rollt. Das Scheichtum Katar am Persischen Golf hat knapp 300 000 Bürgerinnen und Bürger. Dazu etwa 1,8 Millionen ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter, die zumeist aus Nepal, Bangladesh, Nordindien und den Philippinen kommen. Diese Wanderarbeiter sind praktisch rechtlos. Ihnen wird bei der Einreise der Pass abgenommen. Sie werden misshandelt, erhalten den versprochenen (miserablen) Lohn nicht, und kein Gericht schützt sie vor der Willkür ihrer Arbeitgeber.

Verbrechen in Katar

7.04.2016
Es war ein kühler Herbstmorgen im vergangenen Jahr. Wie eine Fata Morgana schwebte die schmuckbehangene Dame durch den ehrwürdigen «Saal der Menschenrechte und der Allianz der Zivilisationen» im zweiten Stock des Genfer Völkerbundpalasts. Roter Turban, purpurrote Djellaba, blaue Edelsteine in den Ohren, dreifache Goldkette am Hals, die feinen Hände beladen mit glitzernden Ringen, dazu ein erstarrtes Gesicht, Frucht wohl ziemlich zahlreicher Schönheitsoperationen: Sheikha Tamin bin Hamad bin Khalifa Al Thani, die Mutter des Herrschers von Katar, war eine eindrückliche, seltsame Erscheinung.

BESCHÄMENDE EHRUNG. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte sie geschickt. Die Sheikha sollte dem versammelten hochkarätigen Publikum die «Agenda 2030» vorstellen, das Entwicklungsprogramm der Uno für die nächsten 15 Jahre. Wie kam die Dame zu dieser Ehre?
Die Antwort heisst: Geld. Katar beteiligt sich mit Hunderten von Millionen US-Dollar an der Finanzierung der Agenda. Das Scheichtum Katar am Persischen Golf hat knapp 300 000 Bürgerinnen und Bürger. Dazu etwa 1,8 Millionen ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter, die zumeist aus Nepal, Bangladesh, Nordindien und den Philippinen kommen. Diese Wanderarbeiter sind praktisch rechtlos. Ihnen wird bei der Einreise der Pass abgenommen. Sie werden misshandelt, erhalten den versprochenen (miserablen) Lohn nicht, und kein Gericht schützt sie vor der Willkür ihrer Arbeitgeber. Schon seit einigen Jahren wird in der Sandwüste am Golf wie wild gebaut: Stadien, Hotelkomplexe, Autobahnen. Im Jahr 2022 soll das Land die Fussballweltmeisterschaft beherbergen.
Fast täglich stirbt ein Wanderarbeiter, denn Schutzbestimmungen sind auf den katarischen Baustellen so gut wie unbekannt. Amnesty International veröffentlichte vor wenigen Tagen eine neue Rechnung: Wenn die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle bis 2022 konstant hoch bleibt, dann werden über 7000 Arbeiterinnen und Arbeiter gestorben sein, bevor der erste WM-Ball rollt. Die Menschenrechtsorganisation klagt auch die Fifa an:
Entgegen ihren Versprechungen tue sie nichts, um die Kataris zu einem menschenwürdigen Umgang mit den Arbeitenden zu zwingen.

OFFENE DROHUNG. Die Uno ist ein komplexes Universum. Ban Ki-moon beschenkt Katar mit der prestigereichen Mission für die Sheikha. Aber 500 Meter vom Völkerbundpalast entfernt residiert die ILO, die Internationale Arbeitsorganisation. Ihr Generalsekretär ist der Brite Guy Ryder, ein prinzipientreuer, unbeugsamer Gewerkschafter. Er hatte bis 2012 den Internationalen Gewerkschaftsbund in Brüssel geleitet und ist erfahren im Kampf gegen ausbeuterische Regime. Ryder sagt: «1200 Arbeiter sind bereits tot. Entweder macht der Scheich von Doha dieser Sklavenwirtschaft sofort ein Ende, oder die ILO wird dafür sorgen, dass 2022 keine Fussball-WM in Katar stattfindet.»

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neuestes Buch, «Ändere die Welt!», ist im März 2015 auf deutsch erschienen.

work, 7.04.2016

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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