Schiff mit 243 Menschen seit fast zwei Jahren im Mittelmeer vermisst! Niemand interessiert es, kein Thema in den Medien, nur ein Journalist forscht! Warum, Ach ja, es sind keine Europäer, keine Menschen aus der reichen Welt, die auf dem Schiff waren, sondern Flüchtlinge! Ein neuerlicher Beweis des moralischen Abgrundes unseres Kontinents, unsere Medien und Politiker! Denn wir werden nicht einmal informiert! Warum? Weil solche Unglücke schmerzlich deutlich machen: Mit der Überwindung von Fluchtursachen muss endlich ernst gemacht werden und dem Zugang aus Krisen- in sichere Gebiete! Ähnlich die Feststellung eines Staatsekretärs des Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit: In der Sahara dürften bereits eine Millionen Menschen auf der Flucht verdurstet und verhungert sein. Kein Medium machte mit dieser Horrormeldung auf! Und die Privilegierten dieser Welt, haben kein Interesse daran, denn es würde eine Umverteilung von Ihnen auf die „Verdammten dieser Erde“ (Fanon) erfordern! Lesen wir hier auch von einer Frau, die eine Bootsunglück inmitten von Ertrinkenden überlebte: „Überall, wohin ich sah, trieben tote Menschen im Wasser“, erzählte sie. „Manche ertranken vor meinen Augen. Manche schrien nur, andere beteten. Und einige sagten immer wieder ihre Namen und woher sie kamen – Botschaften an ihre Familien.“

Der 16-jährige Amsa überlebte 2013 das Bootsunglück von Lampedusa - Hunderte andere wurden unter Deck eingeschlossen und starben.Der 16-jährige Amsa überlebte 2013 das Bootsunglück von Lampedusa – Hunderte andere wurden unter Deck eingeschlossen und starben.(Foto: AP)
Donnerstag, 07. April 2016

Rätsel um vermisste FlüchtlingeNiemand sucht nach dem „Geisterschiff“

Ein libysches Schlepperboot mit 243 Flüchtlingen an Bord verschwindet spurlos. Niemand weiß, was mit den Menschen passiert ist, und es kümmert keinen – bis sich der Journalist Eric Reidy auf die schwierige Suche nach Antworten macht.

Im Juni 2014 steigen die 24-jährige Segen Isaias und ihre zweijährige Tochter Abigail in ein Schlepperboot, das sie von Libyen nach Italien bringen soll. Sie kommen aus Eritrea – wie die meisten der 243 Flüchtlinge, die mit ihnen die gefährliche Reise über das Mittelmeer wagen. Doch an der europäischen Küste kommen sie nie an. Seit fast zwei Jahren fehlt von den 243 Männern, Frauen und Kindern jede Spur. Was ist passiert auf dem Meer? „Das interessiert niemanden“, sagt Yafet Isaias, 29, der Ehemann von Segen und Vater von Abigail. Er blieb mit der zweiten Tochter, Shalom, im Sudan. Der Plan war, dass Segen in Norwegen Asyl beantragt – und den Rest der Familie nachholt. Es sollte ein Traum bleiben.

VIDEO

Sechs Monate nach dem Verschwinden von Frau und Tochter spricht Yafet das erste Mal mit dem Journalisten Eric Reidy, der unter anderem für Al Dschasira aus Tunesien und dem Nahen Osten über die Flüchtlingskrise berichtet. Das Gespräch bleibt nicht ohne Folgen. Reidy versucht auf eigene Faust, das Verschwinden des „Geisterschiffes“ – wie er es nennt – aufzuklären. Doch seine Recherchen werfen auch nach anderthalb Jahren mehr Fragen auf, als dass sie Antworten lieferten. Aber sie werfen ein Licht auf die Kaltblütigkeit der Schlepperbanden.

Einen Tag, bevor das „Geisterschiff“ ablegen sollte, telefonierte Yafet mit seiner Frau, sagte ihr, sie solle stark bleiben und auf sich aufpassen. Es war das letzte Mal, dass er von ihr hörte. Schlepper Measho Tesfamariam war es, der zwei Tage später an ihr Telefon ging. Mutter und Tochter hätten Libyen verlassen, behauptete er – und legte auf. Erst eine Woche später ging er wieder ans Telefon. „Er sagte mir, die beiden wären angekommen und beglückwünschte mich. Ich habe ihm geglaubt“, erinnert sich Yafet. Monate später sitzt der Schlepper in einem italienischen Gefängnis und wartet auf seinen Prozess.

Schlepper setzen auf Mittelmeer-Route

Was mit dem Schlepperboot und den vielen Menschen an Bord passiert ist, kann – oder will – er nicht beantworten. Er habe lediglich als Kontaktperson gedient und sich damit die eigene Überfahrt nach Europa erkaufen wollen. Dass es nach wie vor keinerlei Hinweise auf das Schicksal der Flüchtlinge gibt, macht laut Reidy auch Experten ratlos. Wenn das Boot gesunken ist, was als wahrscheinlich gilt, müsste es dafür Beweise geben. Berichte von Überlebenden etwa – oder, wenn es keine Überlebenden gibt, Überreste des Bootes, Schwimmwesten, Leichen. Doch nichts dergleichen wurde bisher gefunden.

Seitdem die Balkanroute für Flüchtlinge zur Sackgasse geworden ist, gehen Experten davon aus, dass die gefährlichere Route übers Mittelmeer wieder häufiger genutzt werden wird. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres haben sich mehr als 16.000 Migranten auf die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien gemacht. Das sind etwa 6000 mehr als im selben Zeitraum vor einem Jahr. Immer wieder kentern Boote. Allein Ende März starben etwa 90 Menschen nach dem Untergang eines Bootes vor der libyschen Küste – 32 konnten gerettet werden. Über die Identität der Toten können oft nur die Überlebenden Auskunft geben.

Die Ertrinkenden riefen ihre Namen

Auch Fanus, eine junge Frau aus Eritrea, hat mit Journalist Eric Reidy gesprochen – über den Moment im Oktober 2013, als sie selbst im Mittelmeer ums Überleben kämpfte. Um nicht zu ertrinken, musste sie einen Mann wegstoßen, der sich verzweifelt an sie geklammert hatte. „Überall, wohin ich sah, trieben tote Menschen im Wasser“, erzählte sie. „Manche ertranken vor meinen Augen. Manche schrien nur, andere beteten. Und einige sagten immer wieder ihre Namen und woher sie kamen – Botschaften an ihre Familien.“

Fanus, schreibt Journalist Reidy, ist eine von 155 Überlebenden jenes Bootsunglückes, das 2013 als die Flüchtlingstragödie von Lampedusa Schlagzeilen machte und in dessen  Folge die Seenotrettung „Mare Nostrum“ gegründet wurde. Vom Verschwinden Segen Isaias‘, ihrer Tochter Abigail und den 241 weiteren Vermissten des „Geisterschiffes“ habe jedoch niemand berichtet, schreibt Reidy. Auch eine offizielle Untersuchung habe es nie gegeben. Bis heute hat Yafet Isaias keine Gewissheit.

Hier lesen Sie mehr über Eric Reidys Recherche-Projekt „Ghost Boat“.

BILDERSERIE

Quelle: n-tv.de , jug/rts

EXPLORE

Refugees Deeply

Following the Ghost Boat

Journalist Eric Reidy describes how working on Ghost Boat – his ongoing investigation into the disappearance of 243 refugees attempting to reach Italy – has not only illuminated the horrible realities of the refugee crisis, but also revealed how the mainstream media is failing these fellow human beings

TUNIS, Tunisia – When I first spoke to Yafet Isaias, his wife Segen and their two-year-old daughter Abigail had already been missing for more than six months. The two disappeared without a trace en route from Libya to Italy at the end of June 2014, along with 241 other people. Most of the missing, like Segen and Abigail, were refugees from the small, repressive African nation of Eritrea.

Since the beginning of October, I have been investigating the disappearance in a project called Ghost Boat, supported by Medium’s digital magazine Matter. Through eight weekly episodes, I followed the trail, from unmarked mass refugee graves in southern Tunisia to the headquarters of an anti-mafia, special investigation unit in Sicily that was wiretapping smuggling rings.

At each step of working on Ghost Boat, I have come across other stories about the refugee crisis that are either underreported or entirely missing. Yafet’s account was just an entry point.

Like so many before them, Segen, Abigail and the 241 others were to board a boat in the early hours of the morning on June 28 in the hope of reaching Italy within a day or two. Instead, all 243 people vanished. Now, more than a year and a half later, their families and friends still don’t know if they are living or dead.

Last February when I first spoke to Yafet by phone he was frustrated and dejected. He was navigating life as an undocumented refugee living on the fringes of society in Khartoum, Sudan, and was desperate for any information on the fate of his wife and daughter. He felt abandoned in his plight.

“Two hundred and forty-three people disappeared. Young people. Women. Children … No one cares about it. Even the world doesn’t care about it,” he said to me.

Speaking to Yafet, I sensed a conditioned expectation in his voice that, after hearing his story, I too would forget him. I was determined to do what I could to bring his story to light.

After five months of investigation, we have yet to solve the mystery, although we have made significant progress in eliminating possibilities and illuminating the broader context of the disappearance.

But our biggest revelation over this process is that there are several other linked stories to be told. Ghost Boat is just one small episode in the largest refugee crisis since World War II. An overwhelming majority of attention has been focused on the land and sea crossings to Europe. But this is neither where the narrative begins nor ends.

http://www.n-tv.de/politik/Niemand-sucht-nach-dem-Geisterschiff-article17415851.html

http://www.refugeesdeeply.org/op-eds/2016/03/9485/ghost-boat/?utm_source=Twitter&utm_medium=Social&utm_campaign=GhostBoat

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Autor: demokratischewerkstatt

Ich mache bisher diese Seite allein, suche aber Partner, die ähnlich denken, die Zusammenarbeit. Ich möchte anregen aktiv zu werden und zur Belebung der Demokratie beizutragen, um Lösungen für die ungeheuren und hochgefährlichen Herausforderungen zu finden. Altes Denken reicht dazu nicht, aber wir können viel von ihm lernen, um die Möglichkeiten für neue Wege zu erkennen und zu öffnen. Ich setzt da auf die Methode der "Zukunftswerkstätten" von Robert Jungk, die er entwickelt hat, um mehr demokratische Mitwirkung zu erreichen. In Wanfried möchte ich so eine Zukunftswerkstatt mit Gleichgesinnten von überall schaffen und dann gemeinsam anregen, in mehr Städten und Regionen dies zu tun, zur Innenpolitik, Gesellschaftspolitik, zur Außenpolitik und Weltpolitik, denn letztlich spielen all die ineinander und sind nicht aus sich allein zu verstehen. Meldet Euch, wenn ihr es mit mir versuchen wollt, gemeinsam etwas voranzubringen. Tel: 05655-924981, Demokratische Werkstatt Wanfried (DWW)

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