„Mein Kampf“ Hitlers Anleitung zur Welteroberung durch die „Arier“. Am Ende wollte er die Vernichtung des deutschen Volkes: ”Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, ist es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört ausschließlich die Zukunft. Was nach diesem Kampf übrig bleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.” Zum Glück für die Deutschen erwies sich nach dem Krieg, dass die anderen Völker nicht so primitiv wie Hitler dachten und die Deutschen aus Rache vernichteten! Die Anti-Hitler-Koalition hatte ihren Soldaten versprochen, eine Welt aufzubauen mit Frieden ohne Furcht und Not und Selbstbestimmung aller Völker. Und nach dem Krieg war das im Bewusstsein der Völker und drängten sie zu ihrer Verwirklichung: Die UNO-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte drücken das noch aus. Mit ihnen sollte ein Wiederaufflammen des Nationalismus für immer verhindert werden. Aber: Wenn man Ideologien wie die von Hitler schlagen will, muss man sie ernst nehmen: Er war überzeugt, dass es in der Menschheit wie im Tierreich zugeht: Die Stärkeren besiegen die Schwächeren und beherrschen sie dann für ihre Interessen! Solche Töne habe ich auch schon in Bundestagsdebatten gehört, die damit die Aufrüstung begründeten. Die Menschheit werde in diesem ewigen Kampf sein, und entweder man gehöre zu den Siegern oder zu den Besiegten! Die Idee der späteren UNO-Gründung, dass die Völker für gemeinsame Ziele zusammenarbeiten können und sollten, hält er für irrig und nur dazu da, die Nation in ihrem Überlebenskampf zu schwächen. In „Mein Kampf“ offenbarte er all das. Was er an der Macht später zielstrebig umsetzte, hat er dort als Plan schon geschrieben: Die militärische Eroberungen anderer Länder und ihre Ausbeutung für das ethnisch gesäuberte „deutsche Volk“, die Ausrottung Andersgläubiger und politisch Andersdenkender! Hitlers Ideen entgegengesetzt war der Apell der Internationalen Arbeiterassoziation: Die arbeitenden Menschen brauchen den internationalen Zusammenschluss, um sich gemeinsam zu wehren gegen den Zwang in den Kriegen der Herrschenden für deren Interessen ihr Leben und ihr Wohlergehen zu verlieren. Gutes Leben für die Arbeitenden sieht die IAA nur durch die gleichberechtigte internationale Zusammenarbeit für möglich. Diese Idee vertrat auch Kant, der allein im Bund der Völker, dem Aufbau einer internationalen Friedensordnung, in der Konflikte nur noch friedlich gelöst werden dürfen, die Chance sah, den Krieg von der Welt zu verbannen und das Leid, das er hervorruft. Einer Friedensordnung mit Menschenrechten für alle, weltweit. In der alle spüren, wenn die Menschenrechte anderer verletzt werden und sich gemeinsam dagegen wenden. Die UNO-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sind als Antwort auf Hitlers Ideen noch in diesem Geist geschrieben! Die Herrschenden mussten sie – von den Völkern gedrängt – verabschieden. Sie hatten die Völker gegen die Welteroberungspläne Deutschlands mit dem Versprechen mobilisiert eine Friedensordnung aufzubauen, die den Krieg verbannt. Alle sollten in dieser neuen Ordnung ohne Furcht und Not leben können und gleichberechtigt selbstbestimmt leben können. Aber auch die heutige Wirklichkeit sieht heute immer noch – etwa gerade im Nahen Osten oder in Libyen – so aus, dass Länder und Menschen, die militärisch schwach sind, von denen erobert und ausgebeutet werden, die stärker sind. Fundamentalisten und Nationalisten ziehen daraus den Schluss, ihre Interessen nur mit Gewalt durchsetzen zu können gegen die Übermächtigen! Diese Ideen können heute deshalb wieder viele Menschen erreichen, weil die Bewegung, die auf weltweite gleichberechtigte Kooperation für die Rechte für alle – unabhängig ob sie stark oder schwach sind – immer noch schwach ist und die Politik dieser Welt nicht bestimmen. Der Aufstieg der NSDAP sollte uns mahnen, endlich die Politik im Sinne der UNO-Charta und der Menschenrechtserklärung zu gestalten: Nicht der Stärkere hat recht, sondern Recht gilt für alle gleich! Nur dadurch können wir Extremisten (vor allem auch in den westlichen Regierungen) den Boden zu entziehen.

Spurensuche
in Hitlers Buch «Mein Kampf»

Anleitung zur Welteroberung

Anfang Jahr erscheint die erste kommentierte Edition von Hitlers «Mein Kampf». Das Buch zeigt, dass der Autor geradezu fanatisch von einer welthistorischen Mission getrieben war.

Hitler in der Gefängniszelle in Landsberg in Oberbayern, wo er einen Teil von «Mein Kampf» verfasste. (Bild: Süddeutsche Zeitung)

1935 erschien in der Basler «National-Zeitung» eine Serie von zehn Artikeln, in denen der Autor Tete Harens Tetens die Welteroberungspläne Hitlers detailliert aus «Mein Kampf» ableitete. Was Tetens allerdings verwunderte, war, dass man in der Bevölkerung hinter Hitlers Vorgehen nicht den grossen Plan erkannte, den er in seinem Bekenntnisbuch doch unmissverständlich offenbart hatte. Tetens fand den «roten Faden», der Hitlers aussenpolitische Schritte verband. Doch damit gehörte er zu einer kleinen Minderheit – der Minderheit derer, die «Mein Kampf» nicht nur gelesen, sondern auch ernst genommen und in seiner Brisanz verstanden hatten.

Noch immer ist es keineswegs selbstverständlich, von Hitlers 800 Seiten starkem, den Leser mit Hassorgien und Stilblüten quälendem Werk eine Lektüre zu erwarten, die zu Erkenntnisgewinn führt. Wer sich aber auf die Lektüre einlässt, wer bereit ist, Hitlers Gedanken erst einmal mitzudenken, statt sie sofort zu verurteilen, der bekommt einen ganz neuen Zugang zu Hitler. Er sieht auf einmal, dass hier ein Mensch spricht, der von dem fanatischen Glauben an eine welthistorische Mission erfüllt ist. Er kann minuziös mitvollziehen, wie sich Hitlers (Fehl-)Wahrnehmungen zu einer Weltanschauung verdichten.

Keine prinzipiellen Abstriche

Und er versteht, dass Hitlers gesamtes, äusserst systematisches Vorgehen letztlich nur dazu diente, seine Weltanschauung in die Tat umzusetzen. Hier, in «Mein Kampf», findet sich der grosse Zusammenhang: der Zusammenhang der Weltanschauung in sich, der Zusammenhang zwischen Innen- und Aussenpolitik, der Zusammenhang zwischen Weltanschauung und Programm. Wer sich das Buch durch inneren Nachvollzug erarbeitet hat, kann nicht mehr so schnell zu dem verbreiteten Urteil gelangen, Hitler sei ein prinzipienloser Opportunist gewesen und habe planlos auf die jeweils aktuelle Lage reagiert. Hitler schreibt in «Mein Kampf» explizit, dass derjenige, der Grosses erreichen will, im Nachgeordneten flexibel sein muss, im Prinzipiellen jedoch niemals Abstriche machen darf. Es gelte immer, Mittel und Zweck genau zu unterscheiden. Vor diesem Hintergrund sollten auch seine Taten gelesen werden. Hitler hat immer dort nachgegeben, sich dort an die Umstände angepasst, wo es ihm ratsam erschien, um sein eigentliches Ziel verfolgen zu können. Dies eigentliche Ziel öffentlich zu bekennen, hielt er für nicht opportun, weil er sonst möglicherweise die kleinen Geister verschreckt hätte, denen das Ziel zu gross hätte erscheinen können. Dass Hitler es in seinem Buch aber dennoch offenbarte, ist in doppelter Hinsicht kurios: Der Autor schreibt über das, was er verschweigen will, und die potenziellen Leser nehmen es nicht zur Kenntnis, obwohl sie es hätten wissen können.

Doch was ist Hitlers eigentliches Ziel, was ist seine grosse Idee, die er gegen seine Zeit mit aller Gewalt durchzusetzen versucht? Um Hitlers zentralen Antrieb zu verstehen, muss zunächst seine Gegenwartsdiagnose zur Sprache kommen. Hitler sieht sich – Mitte der zwanziger Jahre – inmitten einer untergehenden Welt. Das Habsburgerreich ist zerfallen, zerrissen von Nationalitätenkämpfen. Jene Kultur, die in seinen Augen die zu Recht bestimmende und auch die eigentlich schöpferische war, die der Deutsch-Österreicher, wird zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben: Sie wird in nationaler Hinsicht bedrängt, vor allem von den slawischen Nationen, und sie steht in sozialer Hinsicht vor der Zerreissprobe, aufgrund der sozialen Verwerfungen, die der Kapitalismus hervorgebracht hat.

Jüdische Verschwörung

Nun verknüpfen sich aber, wie Hitler glaubt, die beiden Fragen unseligerweise auch noch: Die marxistische Sozialdemokratie hetzt die sozial Deklassierten gegen die eigene Nation auf, die dadurch noch eine weitere Schwächung erfährt. Hitler wird daraus die Konsequenz ziehen: Der Nationalsozialismus betrieb eine systematische Sozialpolitik, um die Massen wieder an die Nation zu binden.

So scheint sich also alles verschworen zu haben, jene Nation zu schwächen, der die grössten Kulturleistungen zu verdanken sind. Doch wer hat daran ein Interesse? Hitler meint, die Ursache jener grossangelegten Verschwörung gefunden zu haben, als er «entdeckt», dass in Bolschewismus, Sozialdemokratie usw. die Juden das Führungspersonal stellen. Der Marxismus, der zum Sprung auf die Weltherrschaft ansetzt, ist also ein jüdisches Projekt. Und das, so Hitler, liegt auch in der Logik der jüdischen Existenz. Die Juden sind materialistisch und feige, egoistisch und unschöpferisch. Sie können keinen Territorialstaat begründen, schleichen sich parasitär in andere Nationen ein und zerstören sie von innen heraus. Mit ihrem Geld bringen sie die anderen in ihre Abhängigkeit, mit ihrem zersetzenden Geist erzeugen sie Ideologien, die es ihnen ermöglichen, die anderen Völker kampflos zu besiegen: Der Liberalismus, der Pazifismus, der Marxismus – all diese Ideologien lähmen durch die Verheissung einer friedvollen Zukunft den Kampfeswillen, was dann die kampflose Machtübernahme des Judentums ermöglicht.

Überleben durch Kampf

Warum ist für Hitler – siehe den Titel seines Buches – der Kampf aber so unabdingbar für den Menschen? Der Kampf ist das Prinzip der Natur, zu der der Mensch gehört, und mittels des Kampfes sichert die Natur den Fortbestand und die Höherentwicklung des gesamten Systems. Durch Kampf entsteht Ordnung, die Voraussetzung für das Überleben. Der Kampf bewirkt aber auch Fortschritt, weil er die Kämpfenden stärkt und die Unterlegenen aussortiert.

Eine Utopie wie die marxistische, die das Ende aller Kämpfe und ein anstrengungsloses Leben verheisst, muss für Hitler das Programm des Niedergangs, ja des Untergangs des Menschen bedeuten. Im Grunde geisselt Hitler in allem, was er für jüdisch hält, den Modernisierungsprozess: Demokratie und Sozialismus als Phänomene der Gleichmacherei und der Entwertung der Persönlichkeit; eine kapitalistische Ökonomie, die alles zum Gegenstand des Schachers macht und keine nationale Bindung mehr kennt; eine hedonistische Weltergebenheit, die kein hohes Ideal, keinen Antrieb zum Selbstopfer mehr zulässt. Gegen all das tritt Hitler an – mit einer Weltanschauung, die an die Stelle der Gleichheit die Ungleichheit, an die Stelle des Materialismus den Idealismus, an die Stelle des ewigen Friedens den ewigen Kampf setzt. Den Nationalsozialismus verstand er als die entscheidende Gegenbewegung zum Marxismus, den aufzuhalten er als seine weltgeschichtliche Mission betrachtete.

Dem sollten Innen- und Aussenpolitik dienen. Der innenpolitische Fahrplan sah eine stufenweise erfolgende innere Homogenisierung des deutschen Volkes vor, um es zu jener Kampfes- und Willenseinheit zusammenzuschmieden, die den Endkampf aufzunehmen in der Lage ist. Dazu gehörten die weltanschauliche Schulung, die politische und gesellschaftliche Gleichschaltung und die rassische Reinigung. Der aussenpolitische Fahrplan sollte über die Wiederbewaffnung, den Abschluss von Bündnissen und den Sieg über den «Erbfeind» Frankreich bis zur Eroberung von Lebensraum im Osten, speziell in Russland, führen. Wenn man die Systematik des Plans und die darauffolgende Systematik des Vorgehens wahrnimmt, verschlägt es einem noch heute den Atem.

Unheil beginnt im Denken

Warum aber der Judenmord? Warum kämpfte Hitler gegen die Juden nicht wie gegen die anderen Völker? Die Antwort steht nicht direkt in «Mein Kampf», lässt sich aber erschliessen. Hitler glaubte, es sei den Juden wesenseigen, so zu denken wie in den von ihm gehassten Ideologien vorgeführt. Sie müssten den Kampf ächten, den Kampfwilligen demoralisieren, weil sie herrschen, aber nicht kämpfen wollten. Er wollte vor allem ihr Denken ausrotten, weil er es als verderblich für die Menschheit ansah. Wie aber kann man ein Denken aus der Welt schaffen? Der Glaube, dies durch die Ermordung der Menschen zu erreichen, die man für die Träger des Denkens hält, ist sicher die furchtbarste Variante des Kampfes gegen Gedanken.

Hitler hat aus seinen Gedanken Taten werden lassen. Es stimmt also, dass das Unheil im Denken beginnt. Es stimmt aber nicht, dass Letzteres sich durch das Töten von Menschen beseitigen lässt.

Barbara Zehnpfennig lehrt politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Passau.

http://www.nzz.ch/international/deutschland-und-oesterreich/anleitung-zur-welteroberung-1.18665484


Hitler, am 19. März 1945 erklärte er Albert Speer:

„Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, ist es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört ausschließlich die Zukunft. Was nach diesem Kampf übrig bleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.“

http://www.dieterwunderlich.de/Haffner_Hitler.htm

 

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Demokratie in einer globalisierten Gesellschaft Demokratie basiert auf einer universalistischen Logik der Partizipation, nationalstaatliche Zugehörigkeit auf einer Logik des Ausschlusses: Das Ungleichgewicht zwischen faktischer Globalisierung fast aller Lebensbereiche einerseits und staatlicher Begrenzung der Entscheidungsmechanismen andererseits korrigieren.

Citoyenneté

Demokratie in einer globalisierten Gesellschaft

Demokratie basiert auf einer universalistischen Logik der Partizipation, nationalstaatliche Zugehörigkeit auf einer Logik des Ausschlusses.

  • Gastkommentar
  • von Walter Leimgruber
  • 1.4.2016, 05:30 Uhr
  • 7 Kommentare

Integrationspolitik sieht keine politische Integration vor. (Bild: Keystone)

Integrationspolitik sieht keine politische Integration vor. (Bild: Keystone)

Angesichts der zunehmenden Vielfalt der Bevölkerung muss die Frage der demokratischen Beteiligung neu gestellt werden. Der Anteil der Ausländer nimmt zu, die globale Verflechtung auf allen Ebenen – Wirtschaft, Technik, Kultur, Kommunikation – ist enorm. Konzernchefs wie Arbeitskräfte werden weltweit rekrutiert und eingesetzt. Rund die Hälfte der Eheschliessungen ist binational, die Zahl der Menschen mit zwei und mehr Staatsbürgerschaften steigt markant. Es entstehen vielschichtige transnationale Zugehörigkeiten, bei denen die Nationalität zwar wichtig bleibt, aber nicht die einzige Form der Anbindung darstellt. Was heisst das für das politische System, das bisher auf den einzelnen Staat ausgerichtet gewesen ist, und was heisst das insbesondere für die Demokratie als das zentrale Element dieses Systems?

Reifen wie ein guter Käse

Die Menschen, die hier leben, sind immer häufiger auch Bürger oder Beteiligte anderer staatlicher Systeme, während viele Menschen mit Schweizer Pass nicht hier leben und ebenfalls Teil anderer Systeme sind. Diese verschiedenen Systeme wirken aufeinander ein. Unsere Integrationspolitik zielt darauf ab, Migranten wirtschaftlich, sozial und kulturell zu integrieren. Von politischer Integration hingegen ist keine Rede.

Doch in der Regel wandert man nicht aus, um anderswo abseitszustehen, sondern um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Zu diesem Leben gehört die gesellschaftliche Teilhabe, die aus vielen Facetten besteht, auch aus einer politischen. Im Französischen gibt es für diese einen schönen Ausdruck: Citoyenneté. Ein Citoyen ist nicht jemand, der ohne sein Zutun Bürger eines Landes ist, sondern jemand, der sich kümmert, der unabhängig von seinem legalen Status mit seiner Teilhabe an den öffentlichen Angelegenheiten die Gesellschaft und den Staat erst ausmacht.

In der Westschweiz verfügt diese Vorstellung über grössere Akzeptanz als im übrigen Land, hier besitzen Ausländer das Stimm- und Wahlrecht auf lokaler, in einigen Fällen auch auf kantonaler Ebene. Doch es geht nicht einfach um das Stimm- und Wahlrecht. Die direkte Demokratie lebt von Menschen, die sich auf vielfältige Art und Weise beteiligen, aus einer langen persönlichen Erfahrung und Entwicklung.

Dennoch gehen wir davon aus, dass Ausländer sich aus allen politischen Geschäften heraushalten, um sich dann nach zehn oder zwölf Jahren einbürgern zu lassen und die Rolle des engagierten Bürgers zu spielen. Die Vorstellung, dass man sich so lange abstinent verhalten kann und danach voller Enthusiasmus staatsbürgerlich aktiv wird, ist naiv, denn Engagement muss reifen wie ein guter Schweizer Käse.

Es gälte daher, den Zugewanderten unser System zu erklären und sie in das politische Netzwerk einzuführen.

Die Gesellschaft bietet viele Möglichkeiten, sich einzubringen: Man engagiert sich in der Nachbarschaft oder in Vereinen oder tut mit in Schul- und Gemeindekommissionen, in denen häufig keine Beschränkungen bezüglich nationaler Zugehörigkeit bestehen. All dies geschieht auch, doch in viel zu kleinem Ausmass.

Die Gründe dafür sind das Unwissen der einen und die Untätigkeit der anderen: Viele, die in die Schweiz einwandern, kennen die Mechanismen der Gesellschaft zu wenig, weil ihre Herkunftsländer anders funktionieren. Die Einheimischen ihrerseits tun wenig, um die Funktionsweise der Gesellschaft zu vermitteln – die anderen müssten sich halt informieren. Das ist aber im feinmaschigen Netz schweizerischer politischer Strukturen gar nicht so einfach. Es gälte daher, den Zugewanderten unser System zu erklären und sie in das politische Netzwerk einzuführen.

Warum sollen wir das tun? Der erste Grund für eine breite politische Partizipation ist ein ganz praktischer: Ohne die Einbindung möglichst vieler Bewohner wird das System Schaden nehmen. Wenn sich immer mehr Menschen nicht für die allgemeinen Belange engagieren, ist ein System, das derart föderalistisch, subsidiär und partizipativ wie das schweizerische aufgebaut ist, immer weniger funktionsfähig. Wir brauchen die Köpfe und Ideen von möglichst vielen. Schon heute klagen viele Gemeinden darüber, dass sie kaum noch Personen finden für ihre Ämter; Vereine sehen sich mit Mitgliederschwund konfrontiert.

Es stellt sich zudem die Frage, ob ein politisches System, in dem wesentliche Teile der Bevölkerung von der Mitsprache ausgeschlossen sind, als Demokratie bezeichnet werden kann. Existiert eine Grenze, ab der eine Gesellschaft nicht mehr demokratisch ist, wo läge diese – bei einem Viertel, der Hälfte der Bevölkerung?

Fehlende Partizipation wesentlicher Gruppen wird die Demokratie beeinträchtigen, weil diese Gruppen anfangen, ihre Interessen auf andere Art durchzusetzen.

Demokratietheoretisch lässt sich kaum begründen, dass grossen Gruppen entsprechende Rechte vorenthalten werden. Demokratie basiert auf einer universalistischen Logik der Partizipation, nationalstaatliche Zugehörigkeit hingegen auf einer Logik des Ausschlusses. Hier liegt ein Widerspruch nationalstaatlicher Demokratie, der sich mit der Mobilität immer grösserer Gruppen stärker akzentuiert. Fehlende Partizipation wesentlicher Gruppen wird die Demokratie beeinträchtigen, weil diese Gruppen anfangen, ihre Interessen auf andere Art durchzusetzen. Im Extremfall entstehen Parallelgesellschaften, wie wir sie in einigen Ländern bereits kennen.

Eine unmittelbare und vollständige Gleichstellung aller hier Lebenden hat politisch keine Chancen, dürfte auch gar nicht sinnvoll sein, da zeitlich begrenzt hier lebende Menschen weder das gleiche Interesse haben noch die gleiche Verantwortung tragen müssen. Sinnvoll wäre aber eine Abstufung, so dass die Menschen nach einem bestimmten Zeitraum bei lokalen Belangen, in die man sich am schnellsten einlebt, mitbestimmen können, in einem weiteren Schritt bei kantonalen und in einem dritten bei nationalen. Das würde dem Staatsaufbau, aber auch einer sinnvollen Entwicklung vom konkreten Umfeld zu zunehmend abstrakteren Ebenen der Politik entsprechen, was man zugleich als Lernprozess fördern könnte.

Zivilgesellschaft erweitern

Wäre es also denkbar, sich die Ausübung demokratischer Rechte in Zukunft neu vorzustellen? Erstens würden Menschen in zwei oder sogar mehr Staaten mitbestimmen, weil immer mehr Menschen mehrere Pässe besitzen. Zweitens bekämen Menschen vermehrt Mitspracherechte, die nicht Bürger, aber Bewohner eines bestimmten Territoriums sind. Damit würde die demokratisch verfasste Zivilgesellschaft erweitert. Das Ungleichgewicht zwischen faktischer Globalisierung fast aller Lebensbereiche einerseits und staatlicher Begrenzung der Entscheidungsmechanismen andererseits liesse sich damit etwas korrigieren.

Um dieses Ungleichgewicht beheben oder zumindest verkleinern zu können, wären noch radikalere Schritte notwendig, nämlich die Ausweitung demokratischer Entscheide über einzelne Staaten hinaus, also die gemeinsame demokratische Einflussnahme von Menschen, die in mehreren Staaten leben – eine im Moment eher utopisch erscheinende Idee. Doch warum sollte Demokratie, einst aus dem griechischen Stadtstaat, der Polis, geboren und dann lange Zeit auf die Ebene des Nationalstaates beschränkt, nicht in der Lage sein, einen weiteren Schritt zu machen? Und welches Land, wenn nicht die Schweiz mit ihren direktdemokratischen Traditionen, wäre der ideale Ort für solche Entwickl

ungen?

Walter Leimgruber ist Professor für Kulturwissenschaft an der Universität Basel und Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission (EKM). Der Beitrag ist eine gekürzte Fassung seines Vortrags an den 8. Aarauer Demokratietagen vom 17./18. März 2016.

Unsere politische Kapazität ist zu schwach für die Bewältigung der Vielfachkrise. Wenn Du das glaubst, bis du damit nicht allein! Diese Initiative für ein Welt-Parlament regt an, dass die Bürger dieser Welt sich angesichts der globalen Krisen eine wirkliche wirksame Vertretung für ihre Interessen schaffen! Durch eine basisdemokratische Bewegung! Sollten wir nicht prüfen, ob uns das nach vorn bringen kann? Meldet Euch, wenn ihr das mit uns diskutieren wollt und eventuell mit die Aktionswoche im Oktober vorbereiten wollt!

Wenn Du der Meinung bist, dass unser derzeitiges politisches System nicht ausreicht, um die wachsenden globalen Herausforderungen in den Griff zu bekommen, dann bist Du damit nicht allein! Mach’ mit bei der globalen Aktionswoche vom 15. bis 25. Oktober, um die Einrichtung eines Weltparlaments zu fordern, das allen Bürgerinnen und Bürgern eine echte Vertretung gibt.

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Während sich die globalen Krisen verschärfen, drücken Menschen aus aller Welt, mit verschiedensten Hintergründen und aus unterschiedlichen Kulturen, ihre Unzufriedenheit mit den existierenden Formen der politischen Repräsentation aus, die ihnen in globalen Entscheidungen kein Mitspracherecht erlaubt.

Wir haben viele, viele globale Probleme. Von der Zerstörung unserer lebenserhaltenden Ökosysteme zur Missachtung der Menschenrechte über unvollständige nukleare Abrüstung, fehlende Regulierung der globalen Märkte und Finanzsysteme bis hin zur Überwindung der sozioökonomischen Ungleichheiten – diese und viele andere sind alles globale Probleme, die globale Lösungen erfordern. Doch wer ist verantwortlich für den Umgang mit diesen Problemen aus einer echten globalen Sichtweise heraus?

Um globale Lösungen zu schaffen brauchen wir ein globales politisches Gremium, das globale demokratische Diskussionen fördern und globale Entscheidungen treffen kann. Die Bürgerinnen und Bürger haben heute wenig Einfluss auf die Entscheidungen, die bei solchen Institutionen wie der UNO, dem IWF, der WTO und der Weltbank oder bei Foren wie den G20 oder den G8 getroffen werden. In diesen Gremien treffen sich die Regierungen – und zwar oftmals kleine selbsternannte Gruppen von ihnen – und entscheiden über unsere Zukunft. Oft werden sie dabei stark von den Lobbyisten globaler Konzerne beeinflusst. Das Hauptanliegen dieser Regierungen ist es, das zu verteidigen, was sie als ihr nationales Interesse ansehen und nicht das Gemeinwohl der Menschheit und der Umwelt.

Wer sollte für die Menschen der Welt sprechen? Sie sollten selbst darüber entscheiden!

In einer demokratischen Ordnung wählen die Bürgerinnen und Bürger bereits auf verschiedenen Ebenen ihre politischen Vertreter. Es gibt Stadträte, Provinz- oder Landtage und nationale Parlamente. In Europa gibt es sogar ein kontinentales Parlament. Und doch, für globale Angelegenheiten, die alle und jeden Menschen auf diesen Planeten betreffen, gibt es kein gewähltes Weltparlament.

Ein Weltparlament wäre ein Instrument, um Lösungen zu finden und umzusetzen, die demokratisch sind, für die Rechenschaft abgelegt werden muss und die dem besten Interesse der Menschheit dienen. Es würde die soziale, politische, religiöse, ethnische und kulturelle Vielfalt aller Weltbürgerinnen und Weltbürger wiederspiegeln, die über nationale Grenzen hinausweist.

Wir, die Teilnehmer dieser Aktionswoche, stimmen in dem Grundgedanken überein, dass die Bürgerinnen und Bürger der Welt ihre Vertreter für weltweite Belange wählen sollten. Es gibt viele verschiedene Ideen, wie ein Weltparlament funktionieren könnte. Einige von uns glauben, dass es mit Mechanismen elektronischer und direkter Bürgerbeteiligung bereichert werden sollte. Wie dem auch sei, wir sind in Vielfalt vereint und rufen gemeinsam auf:

Lasst die Menschen entscheiden. Wir brauchen Demokratie ohne Grenzen. Wir müssen eine globale Demokratie aufbauen. Wir brauchen ein Weltparlament!

Wir rufen Einzelpersonen, Organisationen, Gruppen und Bewegungen überall dazu auf, sich zu organisieren und sich der globalen Aktionswoche für ein Weltparlament vom 15. bis 25. Oktober 2015 anzuschließen. Mach’ mit und setze Dich für globale Demokratie ein!

Bitte Kommentare schreiben oder der Gruppe bei Facebook zur Diskussion über mögliche Aktivitäten in Deutschland beitreten: https://www.facebook.com/groups/1544583569127748/edit/

Der Globale Aktionswoche für ein Weltparlament, GWA, ist eine jährliche Veranstaltung für eine Woche im Oktober um Tag der Vereinten Nationen am 24.10 herum. Während dieser Woche finden weltweit unabhängige Veranstaltungen statt, im die Errichtung eines demokratisch gewählten Weltparlament zu fördern.

Die erste Aktionswoche im Jahr 2013 wurde von einer Gruppe von Personen durch soziale Medien verbunden ist, die globale föderalistische Bewegung, und die Kampagne für ein UN-Parlament ins Leben gerufen und koordiniert. Die Aktivitäten wurden in rund fünfzig Städten in fünfzehn Ländern in der globalen Norden und Süden durchgeführt.

Diejenigen unterstützen die Aktionswoche mit Veranstaltungen und Aktivitäten, die  die ursprüngliche Gründungserklärung, die für die Errichtung einer globalen Demokratie eind durch die Bürger gewähltes Weltparlament eintritt, unterstützen.

Die Erklärung fordert Einzelpersonen, Organisationen, Gruppen und Bewegungen auf  überall für die Aktionswoche zu mobilisieren.

Jeder, der sich an  GWA Veranstaltungen und Aktivitäten beteiligen oder sie vorbereiten möchte,  wird gebeten, die Koordination Netz der GWA beizutreten. Die Mailing-Liste des Netzwerks kann durch das Senden einer E-Mail an gwa-cn+subscribe@googlegroups.com abonniert werden.

Die Aktionswoche wird gefördert von der  Initiative der Kampagne für ein UN-Parlament gefördert.

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie uns dieses Kontaktformular ( this contact form).

Wenn Sie uns über Ihr Interesse wissen zu lassen, wollen in diesem Jahr an der Teilnahme, füllen Sie diesen Fragebogen ( this questionnaire)  und ein Mitglied des Teams wird Sie kontaktieren.

The Global Week of Action for a World Parliament, GWA, is an annual event celebrated for one week in October around United Nations Day on the 24th. During this week independent events worldwide are held to promote the establishment of a democratically elected world parliament.

The first Week of Action in 2013 was launched and coordinated by a group of individuals connected through social media, the global federalist movement, and the campaign for a UN Parliamentary Assembly. Activities were carried out in around fifty cities in fifteen countries in the Global North and South.

Those celebrating the Week of Action with events and activities endorse the original founding declaration which calls for the establishment of global democracy through a world parliament elected by the world’s citizens. The statement calls on individuals, organizations, groups and movements everywhere to mobilize for the Week of Action.

Everyone who is preparing GWA events and activities and who wishes to be involved is invited to join the GWA’s coordination network. The network’s mailing list can be subscribed by sending an email to gwa-cn+subscribe@googlegroups.com.

The Week of Action is an initiative promoted by the Campaign for a UN Parliamentary Assembly.

 

If you have any questions or comments, write to us using this contact form. If you want to let us know about your interest in participating this year, complete this questionnaire and a member of the team will contact you.

 http://www.worldparliamentnow.org/about-the-global-week-of-action/